1990 - 1999 Wandel zum Chemiepark Knapsack

1990

Im Juni 1990 wird der letzte Carbidofen abgestellt. Nach 82 Jahren und einer Produktion von 13,5 Millionen Tonnen ist damit das Carbidzeitalter in Knapsack beendet. Ebenso schließen die Carbid-Hilfsbetriebe und die Carbid-Weiterverarbeitung zu Acetylen (Gashaus) und Acetogenruß.

Das Werk öffnet seine Tore zum ersten "Tag der offenen Tür"

 

1991

Im November geht eine Masse-Polypropylen-Anlage im Werksteil Hürth mit einer Kapazität von 160000 Tonnen pro Jahr in Betrieb.

Bereits am 1. Juni wird eine neue, mit der neuen Polypropylen-Anlage verbundene Siloanlage der Speditionsfirma Karl Schmidt GmbH & Co., Heilbronn im Werksteil Hürth fertiggestellt. Erstmals werden damit Produktion und Distribution eines Produktes von unterschiedlichen Unternehmen im Werk Knapsack durchgeführt.

Ein neues Pflanzenschutzmittellager bietet moderne Lagerkapazität für brennbare Pflanzenschutzwirkstoffe.

Die Zentrale Abwasserbehandlungsanlage Hürth erhält einen unterirdischen 6 000 Kubikmeter fassenden Pannen-Abwasserbehälter.

Zur Verbindungsstraße parallel wird eine neue Rohrbrücke errichtet, die alte Rohrbrücke demontiert.

Abgestellt wird zum 1. Juli die Naß-Phosphorsäure-Anlage. In 25 Jahren wurden 1,5 Millionen Tonnen Phosphorsäure hergestellt.

Zum Jahresende wird die Produktion des Waschmittelphosphats Natriumtripolyphosphat (NTPP, Thermphos) eingestellt. Im Laufe von 35 Jahren wurden insgesamt 5,2 Millionen Tonnen NTPP produziert.

Die Phoban-Produktion wird aufgegeben. Große Teile der stillgelegten Carbidanlage und das aus dem Jahre 1917 stammende Kraftwerk sowie der gesamte Kalk- und Koksbetrieb werden abgerissen und einschließlich der Fundamente entfernt.

 

1992

Im April endet die Produktion von elementarem Phosphor in Knapsack. Die Phosphat-Sinteranlage und der zuletzt noch betriebene Phosphorofen 3 werden stillgelegt. In Knapsack wurden insgesamt 1,9 Millionen Tonnen Phosphor hergestellt.

Nach Knapsacker Know-how wurde von der Firma Uhde nicht nur die Vlissinger Phosphorproduktion errichtet, sondern auch Anlagen in Tschimkent/Kasachstan und Kunming/Südchina gebaut.

Eine Recycling-Anlage zur Aufarbeitung gebrauchter, sortenreiner Polypropylen-Teile beginnt Ende des Jahres mit einer Kapazität von 5000 Tonnen pro Jahr die Produktion, ebenso starten zwei Granulierstraßen zur Herstellung von Polypropylen-Compounds.

 

1993

Mit der Gründung der Vinnolit Kunststoff GmbH, einem Joint venture von Hoechst und Wacker, entsteht eine neue Unternehmensform im Werk. Zum Gemeinschaftsunternehmen gehören der PVC-Betrieb im Werksteil Hürth, die PVC-Fabrik von Wacker in Köln-Merkenich sowie die PVC-Aktivitäten in Gendorf (Hoechst) und Burghausen (Wacker).

Am 31. Dezember 1993 endet die Ferrosilizium-Produktion im Werksteil Knapsack. Zum gleichen Zeitpunkt wird die werkseigene Luftzerlegungsanlage stillgelegt.

Neuer Leiter des Werkes Knapsack wird am 1. Mai 1993 Dr. Horst-Dieter Schüddemage.

 

1994

Zum 1. Januar 1994 wird die Hoechst Schering AgrEvo GmbH, ein Joint-venture von Hoechst (60 Prozent) und Schering (40 Prozent), gebildet. In dieses Gemeinschaftsunternehmen werden die gesamten Pflanzenschutzmittel-Aktivitäten von Hoechst eingebracht. Dazu zählen auch die drei Knapsacker Betriebe PSM 1, PSM 2 und PSM 3 sowie der PSM-Versand.

Am 1. Februar 1994 tritt eine neue Werksstruktur in Kraft, die der Neustrukturierung der Hoechst AG in Business Units entspricht.

Der Strukturwandel vom Werk Knapsack der Hoechst AG zum offenen Chemiepark Knapsack wird von den Belegschaftsvertretungen konstruktiv begleitet.

Die Chlorhostalen-Anlage wird demontiert, ebenso die Hostaphos-Anlage und die Braunstein-Anlage im Werksteil Hürth. Im Werksteil Knapsack werden die Carbid-Anlage, die Acetylenerzeugung und der Kamin des ehemaligen Kraftwerks abgerissen. Ebenso wird die alte Rohrbrücke zwischen beiden Werksteilen entfernt.

Am 1. September 1994 nimmt die neue Schichtsilikat-Anlage (SKS-6-Anlage) ihren Betrieb auf. Durch einen Defekt im Abluftfilter des Sprühturmes kommt es zu einer Wasserglas-Emission.

 

1995

Zum 1. Januar 1995 wird die neue Werksstruktur an die Weiterentwicklung der Geschäftsbereiche und Business Units im Unternehmen Hoechst angepaßt. Leistungsvereinbarungen regeln die Zusammenarbeit von operativen Einheiten und Service Units. Produktionsnahe Dienstleistungen aus dem technischen, handwerklichen und kaufmännischen Bereich werden in die Hoechster Produktionseinheiten eingegliedert.

Stillegung der Dicalciumphosphat-Anlage und der Phosphorreinigung. Abgerissen werden die bereits stillgelegten Anlagen Phoban, Ferrosilizium, Elektrodenmasse und Naß-Phosphorsäure.

 

1996

Öffnung der Deponie für eine erweiterte Eigenentsorgung der Hoechst Inlandsgruppe und Überführung der Kläranlage Hürth in die Abwasser-Gesellschaft Knapsack GmbH.

Kapazitätsausbau in der Masse-Polypropylen-Anlage durch Engpaßbeseitigung.

Silafluofen und Formetanat sind neue Produkte in der Pflanzenschutzmittelproduktion von AgrEvo.

Abriß der Phosphatsinteranlage und der Phosphoröfen.

 

1997

Umwandlung des Werkes Knapsack der Hoechst AG in den Chemiepark Knapsack:

Ausgliederung der operativen Einheiten und des Werksservices in selbständige Unternehmen

Am 4. Februar wird die InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG im Handelsregister Brühl eingetragen. Komplementär ist die InfraServ Verwaltungs GmbH in Frankfurt, eine 100prozentige Tochter der Hoechst AG. Kommanditisten sind die Targor GmbH, die Hoechst AG, die Celanese GmbH, die Clariant GmbH und die Hostalen Polyethylen GmbH.

Der InfraServ Knapsack werden von Hoechst die Grundstücke und Gebäude des Werkes übertragen.

Gründung der InfraServ GmbH & Co. Deponie KG

Am 1. Juli werden die Spezialchemikalienproduktionen in die Schweizerische Clariant AG überführt, Chemikalienproduktionen gehen in die amerikanische Celanese GmbH über. Die Polypropylen-Produktion wird in das BASF/Hoechst Joint-venture Targor GmbH eingebracht, und die Polyethylen-Produktion firmiert unter Hostalen Polyethylen GmbH.

 

1998

Am 1. Januar 1998 ist Hoechst nicht mehr in Knapsack operativ tätig. Die  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Werksservices sind in die InfraServ Knapsack übergegangen.

Gründung des Chemiepark Knapsack und der InfraServ Knapsack, Ende der Hoechster Ära.

Knapsack steht für ein neues Modell der Zusammenarbeit eigenständiger Unternehmen: international tätigen Chemieunternehmen und regionalen Dienstleistungsunternehmen.

Der Pentasulfid-Betrieb wird zum 1. Januar 1998 aus der Celanese GmbH ausgegliedert und in die Termphos GmbH überführt, der deutschen Niederlassung der Thermphos International BV in Vlissingen.

Zum Jahresende wird der Suspensionspolypropylen-Betrieb der Targor GmbH stillgelegt. Die entsprechende PP-Menge wird durch eine Anlagenoptimierung in der modernen Massepolypropylen-Anlage produziert.

Die Renovierung des Verwaltungsgebäudes des Chemieparks Knapsack wird erfolgreich beendet.

 

1999

Am 1. Januar 1999 geht die Hostalen Polyethylen GmbH in die Elenac GmbH, ein Joint venture von BASF und SHELL, über.

Die anorganischen Produktionen werden aus der Celanese GmbH ausgegliedert und als Vintron GmbH verselbstständigt. Dazu gehören die Salzelektrolyse, die Direktchlorierung, die Oxichlorierung und die Dichlorethan-Spaltung.

Die französische Alcatel übernimmt das Arbeitsgebiet der Hochtemperatursupraleiter, die bisher von der Aventis Research and Technologies entwickelt wurden. Die Knapsacker Forschergruppe wird durch die bisher in Höchst verbliebenen Aktivitäten verstärkt.

Im Februar wird die Initiative ChemCologne ins Leben gerufen. Unterstützt durch die Landesregierung von NRW vereinbaren der Chemiepark Knapsack, die Bayer AG, andere Chemieunternehmen der Region, die Universität zu Köln sowie der Arbeitgeberverband Köln, die Stadt Hürth und der Erftkreis ein gemeinsames Marketing, um das wirtschaftliche Potential der Region Köln zu fördern.

Im Oktober vollendet Hoechst seine Aufspaltung. Die Arbeitsfelder Pharma und Pflanzenschutz werden mit der Rhône Poulenc zur neuen Aventis S.A. mit Sitz in Straßburg verschmolzen. Die Teilgesellschaft Aventis Crop Science mit Sitz in Lyon ist für das Pflanzenschutzmittelgeschäft verantwortlich und übernimmt die Aktivitäten der bisherigen AgrEvo GmbH im Chemiepark Knapsack.

Die Aktivitäten der industriellen Chemie werden in der neuen Celanese AG zusammengefaßt. Im Chemiepark Knapsack gehören zur Celanese AG:

Celanese Europe GmbH (100 %) Produktionen: Acetaldehyd, Essigsäure, Essigsäureanhydrid Vintron GmbH (100 %) Produktionen: Chlor, Natronlauge, Wasserstoff, 1,2-Dichlorethan, Oxichlorierung, Vinylchlorid Vinnolit Kunststoff GmbH (50 %) Produktion: Polyvinylchlorid Targor GmbH (50 %) Produktion: Polypropylen thermPhos Deutschland GmbH (100 %) Produktion: Phosphorpentasulfid

Die InfraServ Verwaltungs GmbH in Frankfurt, die die Geschäftsführung der Chemiepark-Betreibergesellschaft InfraServ Knapsack stellt, wird eine 100 %ige Tochtergesellschaft der Celanese AG, und der Kommanditistenanteil der Hoechst AG an der InfraServ Knapsack (22 %) wird auf die Celanese AG übertragen

Dr. Horst-Dieter Schüddemage

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber InfraServ Knapsack liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.