03.04.20

Wenn es brennt, sind sie da

Innerhalb von fünf Minuten kann die Werkfeuerwehr an jedem Ort im Chemiepark sein, um zu löschen, Chemikalien aufzunehmen, Menschen aus Zwangslagen zu retten oder Fahrzeuge und Güter zu bergen. Das gilt auch in Zeiten von Corona. Diese Sicherheit tut gut. Doch wie gewährleistet die Werkfeuerwehr ihre Einsatzbereitschaft? Ralf Lassmann ist Leiter der Werkfeuerwehr im Chemiepark Knapsack. Er berichtet im Interview, wie die Kollegen einen dreistufigen Pandemie-Plan umsetzen und welche Maßnahmen sie vorbereiten, sollte sich das Virus weiter ausbreiten. Wir haben ihn gefragt, was sich auf der Wache geändert hat, wie die Kollegen mit der neuen Situation umgehen und wie sie bei einem Covid-19 Fall in den eigenen Reihen vorgehen würden. Außerdem wollten wir wissen, ob er der Krise auch positive Aspekte abgewinnen könne.


Herr Lassmann, die Feuerwehr muss jederzeit einsatzbereit sein. Wie sieht Ihr Konzept für die Pandemie aus?

Der Corona-Virus darf uns keinesfalls daran hindern, unsere Aufgaben zu erfüllen. Deshalb haben wir ein dreistufiges Konzept definiert, um auch während der Pandemie handlungsfähig zu bleiben. In Stufe 3 würden wir uns für eine festgelegte Zeit auf der Wache abschotten, so dass nicht einmal jemand zum Einkaufen fahren müsste. Das käme aber nur in Betracht, wenn uns durch einige bestätigte Covid-19-Fälle deutlich weniger gesundes Personal zur Verfügung stünde. In Stufe 2, bei Covid-19-Verdachtsfällen innerhalb einer oder mehrerer Wachabteilungen, könnten wir die Schichtstärke von derzeit 9 um zwei Funktionen reduzieren und über ein Bereitschaftsmodell und eine Kooperation mit den öffentlichen Einsatzkräften der Stadt Hürth die Gefahrenabwehr weiterhin sicherstellen. Derzeit befinden wir uns in Stufe 1. 

Was bedeutet Stufe 1 konkret?

Das bedeutet zum Beispiel, dass derzeit die Bereitschaften nur allein in einem Zimmer schlafen. Normalerweise sind die Zimmer auch mit zwei Personen belegt. Überall im Gebäude haben wir Hinweise zur Hygiene und dem nötigen Abstand ausgehängt und sorgen durch regelmäßige Gespräche dafür, dass alle Verhaltensregeln immer präsent sind. Außerdem desinfizieren wir die Flächen regelmäßig, mit denen viele Kollegen auf der Wache häufig in Kontakt kommen. Jeden Morgen reinigen wir unter anderem die Kontaktflächen der Fahrzeuge mit Seifenlösung, also unter anderem die Sitze, Schalter, Blinker und Griffe.  

Hat sich für Sie viel geändert?

Natürlich haben wir die Organisation umgestellt. Alle Schulungen sind abgesagt, persönliche Besprechungen heruntergefahren. Bei Begehungen, zum Beispiel um Feuerlöscher zu prüfen, achten wir noch einmal besonders auf Hygiene und den nötigen Abstand. Unseren Rahmendienstplan mit der Wachausbildung haben wir verkürzt und nach draußen verschoben, um weiter Abstand halten zu können und das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Grundsätzlich sind wir aber wie sonst auch mit 9 Mitarbeitern in einer Wachabteilung und die Stimmung ist gut, Jede Wachabteilung bleibt 24 Stunden auf der Wache. Im Rahmen unserer Rettungsdienstaufgaben sind wir gefordert, unsere Maßnahmen am Patienten auch unter dem Aspekt des Eigenschutzes umzusetzen. Dies stellt eine neue Herausforderung dar und erfordert auch Verständnis und Einsicht seitens der Patienten. 

Aber ein Restrisiko bleibt?

Im Brandfall sind wir mit unserer Ausrüstung gegen Rauchgase sehr gut geschützt. Und für Rettungseinsätze ist Schutzmaterial im Wagen vorhanden, alle Mitarbeiter sind ausgesprochen gut sensibilisiert und geschult – auch für ihr Freizeitverhalten. Ein gewisses Restrisiko können wir aber natürlich trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht ausschließen – das gilt derzeit für alle Bereiche, in denen Menschen eng zusammenarbeiten. 

Sie mussten sich sicher auch von schönen Ritualen verabschieden?

Ja, Rudelgucken der Champions League während unserer Bereitschaftszeit geht natürlich nicht mehr. Aber hier hilft uns, dass es ja derzeit auch keine Champions League gibt. Gerade das Abstandhalten war anfangs schwer, denn wir gehen sehr familiär miteinander um. Die Ruhezeiten verbringen die meisten jetzt eher allein auf ihren Zimmern als zusammen im Besprechungsraum. Auch Sport können wir nicht mehr gemeinsam treiben. Neu ist, dass wir uns am Ende jeden Arbeitstags den Podcast  von Prof. Drosten aus der Charité anhören. So erfahren wir, was die Wissenschaft zu Corona sagt und können uns privat besser auf neue Entwicklungen einstellen. 

Was würden Sie bei einem Verdacht auf Covid-19 tun?

In einem solchen Fall würden wir davon ausgehen, dass die Kollegen auf der Wache die Hygiene- und Abstandsregeln konsequent eingehalten haben und wir keine oder nur sehr wenige Kollegen in eine häusliche Quarantäne schicken. Mitarbeiter, bei denen wir uns unsicher wären, ob sie sich angesteckt hätten, müssten vorsorglich in Quarantäne. Würde dann noch weiteres Personal ausfallen, käme eventuell besagte Stufe 3 in Betracht, damit wir einsatzbereit blieben, bis die Kollegen aus der Quarantäne wieder zur Verfügung stünden.

Schließen Sie sich mit anderen Feuerwehren kurz?

Ja, wir sprechen regelmäßig, derzeit einmal wöchentlich, per Videokonferenz mit der Feuerwehr Hürth über die aktuelle Pandemielage im Stadtgebiet und stimmen uns über die Maßnahmen ab. Also zum Beispiel: Wie ist die Einsatzbereitschaft? Wie sieht es bei der Freiwilligen Feuerwehr aus? So könnten wir bei Engpässen unsere Kräfte bündeln, um weiterhin sowohl in der Stadt also auch im Chemiepark einsatzbereit zu sein. 

Können Sie der derzeitigen Phase trotz aller Herausforderungen auch etwas Positives abgewinnen? 

Vieles ist natürlich schwieriger, aber ich finde, die Corona-Krise bietet uns auch die Chance, einmal innezuhalten und Verhaltensweisen oder Ansichten neu zu überdenken. Mir ist außerdem noch einmal bewusst geworden, wie gut wir in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern aufgestellt sind, wie viele soziale und wirtschaftliche Maßnahmen ergriffen werden und wie gut unser Gesundheitssystem ausgebaut ist.


Thomas Kuhlow

Head of Communications
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGY SUPPLY

The reliable and economical supply of sufficient energy is one of the most important prerequisites for the chemical industry. The chemical park operator InfraServ Knapsack provides the manufacturing companies with the necessary energies in the form of electricity and process steam.

The continuous main load of the energy supply is borne by the refuse-derived fuel (RDF) power plant of E.ON Energy from Waste, where up to 300,000 tons of refuse-derived fuel are thermally utilized every year. This service is complemented by the combined cycle gas turbine (CCGT) power plant of the Norwegian energy company Statkraft. With 800 MW of installed capacity it is one of the largest CCGT power plants in Germany. A further combined gas turbine power plant with capacity of 400 MW is currently under construction. The energy supply of the Chemiepark Knapsack is thus guaranteed, also at peak load time. 

ENERGY SUPPLY

The reliable and economical supply of sufficient energy is one of the most important prerequisites for the chemical industry. The chemical park operator InfraServ Knapsack provides the manufacturing companies with the necessary energies in the form of electricity and process steam.

The continuous main load of the energy supply is borne by the refuse-derived fuel (RDF) power plant of E.ON Energy from Waste, where up to 300,000 tons of refuse-derived fuel are thermally utilized every year. This service is complemented by the combined cycle gas turbine (CCGT) power plant of the Norwegian energy company Statkraft. With 800 MW of installed capacity it is one of the largest CCGT power plants in Germany. A further combined gas turbine power plant with capacity of 400 MW is currently under construction. The energy supply of the Chemiepark Knapsack is thus guaranteed, also at peak load time.