„Unter Handwerkern duzt man sich“

Im Rahmen der Reihe 111 Jahre Chemiestandort Knapsack treffen drei Pensionäre auf drei Auszubildende und sprechen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Beruf

Den Anfang machen Oskar Storch und Nina Vering mit dem Berufsfeld Elektronik. Während Nina sich noch in der Ausbildung, also ganz am Anfang ihres Arbeitslebens, befindet, liegt Oskar Storchs aktive Zeit im Chemiepark Knapsack schon neun Jahre zurück. Zum Gespräch treffen sie sich an einem gemeinsamen Arbeitsplatz, der Schaltschrankbau-Werkstatt im Werksteil Hürth:

Storch: Also Nina, damit wir auf dem gleichen Standpunkt sind, würde ich dir gerne das Du anbieten, wie sich das so unter Handwerkern gehört. Ich bin der Oskar. (reicht ihr die Hand)

Vering: Ich bin die Nina.

Storch: Schön, dann erzähl doch mal, was machst du so?

Vering: Ich mache eine Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik, das heißt, wir bringen die Anlagen technisch auf den neusten Stand und programmieren die so, dass alles automatisch abläuft. Was hast du denn damals hier gemacht?

Storch: Wenn man vierzig Jahre hier ist, durchläuft man mehrere Stationen. Ich war zum Beispiel zuerst in der Instandhaltung, wo ich in sämtlichen Betrieben sämtliche Reparaturen durchgeführt habe. Danach habe ich vom Kabelziehen bis hin zu den Schaltschränken quasi alles mal gemacht.

Vering: Ja gut, wir durchlaufen ja, nachdem wir in der Rhein-Erft Akademie die Grundlagen beigebracht bekommen haben, in der Ausbildung auch die einzelnen Abteilungen, sodass wir mal überall waren und alles kennen lernen. Und am Ende der Ausbildung wird dann entschieden, wo wir hinkommen. Wie lang ging denn eigentlich deine Ausbildung?

Storch: 3,5 Jahre, so wie bei euch eigentlich auch. Bei uns war der Ablauf der Ausbildung auch sehr ähnlich, wobei ich dazu sagen muss, dass ich meine Ausbildung nicht hier absolviert habe. Die Ziele sahen vielleicht ein bisschen anders aus, weil die Technik noch nicht so ausgereift war, aber ansonsten war das bei mir genauso. Allerdings mussten wir zum Beispiel früher, wenn wir Kabel verlegen wollten, unsere Rohre noch selber biegen und mit Holzstücken und Schraubenschellen so fixieren, dass es an der Wand hielt. Dübel hatten wir damals noch keine – von Anfang bis Ende wurde alles selber gemacht, Kabel ziehen, Kabelwege festlegen, am Ende alles anschließen und dann rief man „Meister ich bin fertig“ (lacht)

Vering: Sowas machen wir ja als Elektroniker gar nicht mehr, jede Abteilung macht ihren Teil. Für die Rohre sind heute zum Beispiel die Industriemechaniker zuständig. Die bringen die Rohre an und wir müssen nur noch unsere Kabel da durchziehen oder zum Beispiel die Schränke: Der Schrankbau baut den Schrank, die Montage bringt den Schrank dorthin, wo er hinsoll und schließt den Schrank an. Dann kommt die nächste Abteilung und die prüft das Ganze – Es muss also nicht mehr jeder alles können, sondern man ist wirklich auf sein Gebiet spezialisiert.

Storch: Wird das nicht langweilig?

Vering: Also bis jetzt noch nicht (lacht)

Storch: Es gibt einen großen Unterschied zwischen deiner und meiner Ausbildungszeit: Zu meiner Zeit gab es keine weiblichen Lehrlinge. Wie ist das jetzt hier für dich als Mädchen, fühlst du dich wohl?

Vering: Ja klar, blöde Sprüche sind unter uns Handwerkern ganz normal, da macht es auch keinen Unterschied, ob du ein Mädchen oder ein Junge bist, da gewöhnt man sich einfach dran. Ich werde hier behandelt, wie jeder andere auch. Nur die ganz schweren Sachen, die muss ich nicht unbedingt tragen. Vorurteile gibt’s hier nicht. Aber man muss sich als Frau schon darüber bewusst sein, dass das hier ein anstrengender Job ist, bei dem man auch mal dreckig wird.

Storch: Ja stimmt, wer das nicht mag, hat hier wirklich ein Problem. Sag mal, gibt es eigentlich einen Gegenstand, denn du quasi immer in der Hand hast?

Vering: Das kommt drauf an, in welcher Abteilung man ist und mit wem man so rumläuft.  Wenn ich zum Beispiel beim Schrankbau oder der Montage eingesetzt werde, dann habe ich natürlich am häufigsten den Schraubendreher in der Hand. Aber in der Prüftechnik zum Beispiel ist es das Messgerät. Was war das bei dir?

Storch: Das war bei mir genau das gleiche. Ohne den Schraubenzieher ging nichts. Und das, obwohl dieser Beruf ansonsten so vielseitig und abwechslungsreich ist. Die Vielseitigkeit hat mir übrigens auch am Besten gefallen, also neben dem tollen und kollegialen Miteinander hier in der Werkstatt.

Vering: Was war für dich denn das Besondere, hier im Chemiepark zu arbeiten? Gab es einen Grund, warum du ausgerechnet hier hinwolltest?

Storch: Es war ein gutes Gefühl, hier in so einem großen Werk zu arbeiten. Das bedeutete damals Sicherheit und Arbeit über längere Jahre. Außerdem gab es hier Dinge, die man in einer kleinen Werkstatt überhaupt gar nicht kennen lernte. Hier waren riesengroße Betriebe, Phosphor, Karbid, das waren riesige Gebäude. Das erste Mal, als ich durch den Phosphorbetrieb ging, war das irgendwie erdrückend – der Ofen brummte, ich dachte „was ist hier los?“, das war mir im ersten Moment unheimlich, aber da gewöhnte man sich dran. Es war eine super Zeit. Wie ist denn das jetzt bei dir?

Vering: Ja, hier gibt es wirklich viele verschiedene Betriebe und auch vielfältige Aufgaben. Ich kenne den Chemiepark durch meinen Vater, der auch hier arbeitet. Weil ich den Beruf so interessant fand, habe ich hier auch mein Praktikum gemacht und im Anschluss dann halt auch die Ausbildung hier begonnen. Es ging mir eigentlich in erster Linie um den Beruf.

Storch: Ich glaube, damit hast du den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. Ich habe vierzig Jahre hier gearbeitet und kann dir aus eigener Erfahrung sagen, hier wirst du gefordert aber auch gefördert und du kannst dich weiterentwickeln. Und wenn ich dir eins mit auf den Weg geben kann: Bilde dich weiter, hör nicht auf zu lernen. Wenn du so weiter machst, dann kannst du es hier noch ganz weit bringen.

Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
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ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber InfraServ Knapsack liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.