„Stillstand ist Rückschritt“

 

 

 

Im Rahmen der Reihe 111 Jahre Chemiestandort Knapsack treffen drei Pensionäre auf drei Auszubildende und sprechen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Beruf

 

Zwischen ihrer Ausbildung liegen genau 60 Jahre. Lena Segschneider, Auszubildende zur Industriekauffrau, und Fred Glaß haben beide ihre berufliche Laufbahn am Chemiestandort Knapsack begonnen. Im Gespräch gewähren sie uns Einblicke in den Berufsalltag von früher und heute.

 

Segschneider: (reicht Fred Glaß die Hand) Hallo, mein Name ist Lena Segschneider, ich bin 21 Jahre alt und mache seit 2016 meine Ausbildung bei der InfraServ Knapsack als Industriekauffrau.

 

Glaß: Ja hallo, ich bin der Fred Glaß. Ich habe meine Ausbildung hier in diesem Werk 1956 begonnen, sie 1958 nach 2,5 Jahren abgeschlossen und anschließend bis ins Jahr 1995 hier gearbeitet.

 

Segschneider: Dann haben wir genau 60 Jahre versetzt unsere Ausbildung angefangen. Mich würde interessieren, wie Ihre Ausbildung damals abgelaufen ist. Bei uns gab es zum Beispiel am Anfang zwei Einführungstage, wo sich das Unternehmen und die für uns wichtigen Personen vorgestellt haben und erst dann ging es für uns in die einzelnen Abteilungen.

 

Glaß: Also so etwas gab es bei uns damals nicht. Im Grunde sind wir relativ schnell ins kalte Wasser geschmissen worden. Wir sind morgens hier angetreten und sind dann von der Personalabteilung, ein Ausbildungswesen gab es ja noch nicht, begrüßt worden. Von dort aus wurden wir dann zu den verschiedenen Stationen geschickt. Meine erste Ausbildungsstelle war das Güterlager, damals hieß das Magazin, später mal technisches Hauptlager, und dort wurde ich dem Leiter vorgestellt und der vermittelte mir dann in seinem großen Bereich den Arbeitsplatz. Anschließend ging es bei mir in den Einkauf, dann in das Verkehrswesen, das damals noch Spedition hieß, dann kam der Verkauf und ganz zum Schluss war ich fast 1,5 Jahre im Rechnungswesen

 

Segschneider: Ach, so lange?

 

Glaß: Ja, weil das Rechnungswesen sehr viele, ich glaube acht, einzelne Abteilungen hatte. Das kennt man heute so gar nicht mehr. Es gab eine Maschinenbuchhaltung, da lernte man dann die Grundzüge der Buchhaltung kennen.

 

Segschneider: Und das wurde dann vermutlich alles handschriftlich auf Papier erfasst, oder?

 

Glaß: Ja, es gab keine Elektronik. Ich erinnere mich noch an meine Zeit im Magazin, da gab es einen Mitarbeiter mit einer Rechenmaschine, an der man noch kurbeln musste. Das heißt, wenn man zum Beispiel 5x14 ausrechnen sollte, dann rechnete man erst 5x4 (macht eine kurbelnde Armbewegung), dann drückte man auf eine Taste und das Ganze ging eine Zehnerstelle nach vorne und dann kurbelte man noch einmal, um die Zehnerstelle hinzukriegen und erst dann hatte man ein Ergebnis. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

 

Segschneider: Nein, das kann man nicht, also mein Hauptarbeitsgegenstand ist der PC, ohne den würde hier vermutlich gar nichts mehr gehen.

 

Glaß: Ja, später hatten wir dann auch elektrische Rechenmaschinen, aber da saß das Rechenwerk oben drauf und die arbeiteten richtig laut. Wenn Sie davor saßen das ratterte und klapperte – da war noch Musik in den Büros (lacht) Insofern würde ich sagen, haben wir eine tolle Entwicklung durchgemacht. Was hat Sie denn eigentlich motiviert, diesen Beruf zu ergreifen?

 

Segschneider: Mich hat motiviert, dass man sehr viel mit den verschiedensten Personen kommuniziert und die wirtschaftlichen Zusammenhänge hier im Unternehmen erlernt. Man kommt in die verschiedenen Abteilungen und kann sich dann ein Bild darüber machen, wo man später einmal gerne arbeiten möchte. Mir zum Beispiel hat das Personalwesen besonders gut gefallen, weil es sehr abwechslungsreich ist, ich jeden Tag irgendeinen anderen Aspekt vom Unternehmen kennenlernen konnte und ich viel mit den Menschen hier in Kontakt bin. Außerdem haben wir die Möglichkeit, neben der Ausbildung ein Studium zu absolvieren, was ich auch mache. Und wenn die Ausbildung dann beendet ist, folgt mein Praxisjahr, in dem ich mein Studium beenden kann. In der Zeit werde ich dann vermutlich auch in der Personalabteilung eingesetzt.

 

Glaß: Ja, diese Vielseitigkeit und dass man sich hier so gut entfalten konnte, hat mir auch sehr gut gefallen. Aber was mich wundert, ich habe vorhin mitbekommen, dass Sie sich hier duzen, das wäre ja zu meiner Zeit undenkbar gewesen.

 

Segschneider: Ja, mit den Kollegen untereinander da duzen wir uns schon, also ich fange eigentlich immer mit dem Sie an, aber wenn mir jemand das Du anbietet, dann nehme ich das natürlich auch an und dann bleiben wir dabei. Es ist nur kompliziert, wenn man in Gesprächen ist und man die eine Person siezt und die andere duzt (lacht)

 

Glaß: Ja gut, bis auf die Tatsache, dass ich mich daran erst gewöhnen müsste, welche Voraussetzungen müsste ich denn erfüllen, um heute Ihren Beruf ausüben zu können?

 

Segschneider: Also formell müssten Sie ein Abitur oder Wirtschaftsabitur vorweisen. Sie sollten Freude am Umgang mit Menschen haben, kommunikativ sein, sich gut ausdrücken können und natürlich auch ein gutes Verhältnis zu Zahlen haben (lacht). Würden Sie den Beruf denn nochmal ergreifen?

 

Glaß: Ja, mit Zahlen umgehen, das konnte ich immer gut. Ich weiß zwar um den Wandel in unserer Branche, aber grundsätzlich ja, ich würde das nochmal so machen, wissend natürlich, dass sich einiges geändert hat und es vieles, was ich kenne, nicht mehr gibt.

 

Segschneider: Was hat die Arbeit hier für Sie eigentlich so besonders gemacht?

 

Glaß: Also erstmal wohnte ich hier am Ort und hatte dadurch einen sehr kurzen Arbeitsweg. Aber vor allem war es die Möglichkeit, sich hier persönlich weiterzuentwickeln und dieses Gefühl, etwas tun zu können, was einem selbst, dem Unternehmen und dem Standort etwas nützt, das hat mich motiviert. Zwar war der Chemiepark flächenmäßig noch nicht so groß wie heute, aber hier waren ja über 5000 Mitarbeiter beschäftigt und das war schon auch etwas Besonderes hier in der Region. Ich hatte ein sehr erfülltes Arbeitsleben und sage auch immer, ich bin zwar früher gegangen, aber ich ging nicht im Bösen. Zwar ein bisschen traurig, dass die Zeit schon vorbei war, aber mit großer Dankbarkeit, hier gearbeitet zu haben.

 

Segschneider: Wow, das klingt toll. Was können Sie mir denn noch auf den Weg geben für mein weiteres Berufsleben?

 

Glaß: Es klingt zwar abgedroschen, aber aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich Ihnen sagen: man muss immer weiter lernen. Stillstand ist Rückschritt und gerade in diesem Beruf gilt es, sich immer wieder neuem aufgeschlossen zu zeigen. Der Beruf ist unglaublich vielseitig und vereint eine unheimliche Bandbreite an Aufgaben. Sie können nicht in jedem Bereich perfekt sein, aber da, wo sie Ihr Hauptinteresse finden, da sollten Sie sich spezialisieren. Das ist die große Chance, die Sie hier haben und die sollten Sie wahrnehmen.

 

Segschneider: Das mache ich, vielen Dank!

 

 

 

Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
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ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber InfraServ Knapsack liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.