„Als Industriemechaniker lernt man was fürs Leben“

Im Rahmen der Reihe 111 Jahre Chemiestandort Knapsack treffen drei Pensionäre auf drei Auszubildende und sprechen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrem Beruf

Der ehemalige Betriebsschlosser Horst Kühr trifft an seinem alten Arbeitsplatz, der Pumpenwerkstatt im Werksteil Knapsack, auf Sebastian Harff, Industriemechaniker in Ausbildung. Die beiden sind sich einig: Ihr Job ist der Beste.

Kühr: (reicht Sebastian Harff die Hand) mein Name ist Horst, ich bin pensioniert und habe 42 Jahre hier oben gearbeitet.

Harff: Ui, das ist lang! Mein Name ist Sebastian und ich bin jetzt fast fertig mit meiner Ausbildung zum Industriemechaniker.

Kühr: Also, ich habe ja noch Betriebsschlosser gelernt und da war die Ausbildung ein bisschen anders. Ich weiß nicht, wie das bei euch ist, aber wir hatten im Schnitt immer sechs Wochen in einem Bereich, zum Beispiel Drehen und Fräsen, und wir hatten auch noch eine Station in der Schweißerei, wo wir wirklich alle Schweißarten durchgearbeitet haben. Und Schmieden war auch Teil unserer Arbeit.

Harff: Schmieden steht bei uns nicht mehr auf dem Programm, aber die anderen Bereiche schon. Allerdings dauern bei uns die einzelnen Stationen nicht mehr so lang, sondern meistens so eine Woche bis neun Tage. Dazwischen haben wir dann Lehrgänge, zum Beispiel zu den verschiedenen Schweißverfahren, und generell Blockunterricht in der Berufsschule. Außerdem wurde die Ausbildung um den Bereich Elektropneumatik erweitert.

Kühr: Ja, sowas hatten wir ja gar nicht. Die Berufsschule lief bei uns parallel zur Arbeit im Betrieb. Ich habe dann ab dem zweiten Lehrjahr angefangen, ein bisschen produktiver zu arbeiten und konnte auch schon Teile für die verschiedenen Betriebe herstellen, das hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Harff: Mich begeistert es auch, hier zu arbeiten. Die Ausbildung ist sehr abwechslungsreich, man wird auch in verschiedenen Betrieben hier im Chemiepark eingesetzt und lernt dabei super viel. Und vor allem: Es ist handwerklich und das kann ich auch zu Hause gebrauchen. Wenn mal was kaputt ist, kann ich das meiste selber reparieren. Wenn ich mir vorstelle, ich hätte einen Bürojob und müsste für jede Kleinigkeit jemanden engagieren - ne, das ist so schon viel besser (lacht).

Kühr: Stimmt, man lernt hier wirklich was fürs Leben und man lernt mit den Augen und voneinander. Heute sind auch alle etwas offener und hören der Jugend auch mal zu. Zu meiner Zeit, wenn wir mit einer neuen Idee kamen, hieß es von den Alten immer „Brauchen wir nicht zu ändern, haben wir immer schon so gemacht“.

Harff: Ja, wir können uns hier wirklich ins Team einbringen und werden auch in jeder Abteilung sofort integriert, aber ab und zu hören wir schon noch den Satz: „Et hätt noch immer jot jejange“ (lacht). Gibt es eigentlich einen Gegenstand, auf den du bei deiner Arbeit nicht verzichten konntest?

Kühr: Ganz klar der Hammer, vor allem in der Rohrfertigung. Es gibt so viele verschiedene Teile, die hier alle zusammenpassen müssen, und was nicht passte, das wurde halt passend gemacht. (lacht) Im Endeffekt waren es bei mir immer Hammer, Meißel und Brecheisen.

Harff: Das ist bei mir auch so. Der Hammer gehört zur Grundausstattung. Klemmt ‘ne Schraube, wird die erstmal wachgeklopft (lacht). Und letzten Endes kommt der überall zum Einsatz, egal, ob du in der Pumpenwerkstatt bist, Ventile machst oder auf einem anderen Gebiet spezialisierst. Was hat dir eigentlich an der Arbeit hier im Chemiepark besonders gut gefallen?

Kühr: Also erstmal, dass er so nah war, ich musste für meine Ausbildung nicht umziehen. Und über die Jahre hat der Chemiepark Knapsack sich strukturell sehr verändert. Er ist gewachsen, es gibt viele unterschiedliche Unternehmen, zu denen man hinfahren muss. Ich meine, ihr fahrt jetzt mit dem Auto hier durchs Werk, wir waren damals noch mit dem Handwagen unterwegs und haben den Rest auf die Schulter genommen (lacht). Aber generell finde ich Veränderung gut. Die Werkstätten sind moderner geworden und sind funktionell mit allem eingerichtet, was ein Handwerker so braucht. Was müsste ich denn mitbringen, um heute deinen Job machen zu können?

Harff: Ich glaube, das gleiche wie damals auch. Wenn du Initiative zeigst, Interesse und Spaß an der Arbeit hast, dann bist du hier immer noch genau richtig. Handwerklich wird sich, bis auf die neue Technik, nicht so viel verändert haben. Vielleicht ist alles ein bisschen sicherer geworden.

Kühr: Aber ansonsten meinst du, ich könnte mit meinen Betriebsschlosser-Kenntnissen so wieder einsteigen?

Harff: Ja, klar!

Kühr: Na, dann habe ich ja alles richtig gemacht (lacht) Ich würde den Beruf auch jederzeit wiederergreifen. Alleine schon deshalb, weil er interessant und vielfältig ist, man Verantwortung trägt und nie auslernt. Heute dann natürlich als Industriemechaniker, auch wenn ich mich an die neue Bezeichnung erstmal gewöhnen müsste.

Harff: Meine Eltern und Großeltern können sich bis heute nicht merken, wie mein Beruf richtig heißt. Für die mache ich eine Lehre zum Betriebsschlosser (lacht). Aber der Job ist schon cool.

Kühr: Und er lebt schon all die Jahre.

Harff: Ja, ich glaube, der stirbt auch so schnell nicht aus.

Kühr: Dank der Jugend, die nachkommt. Wenn alle so interessiert sind wie du und sich immer weiterbilden, dann sehe ich für unseren Beruf auch keinen Rückgang.

Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber InfraServ Knapsack liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.