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23.02.21

Neue LKW-Waagen

Anspruchsvolles Projekt: Die Waagen für ein- und ausfahrende LKW im Chemiepark Knapsack mussten ausgetauscht werden. Welcher Aufwand nötig war und wie das ganze Projekt abgelaufen ist, erklärt Björn Przybilla, Teamleiter Distribution bei YNCORIS.


An den Toren 1 und 2 des Chemieparks Knapsack stehen jeweils zwei Waagenanlagen. Sie  sind mit Stahlbeton ummantelt und wiegen elektronisch die Ladungen der ein- und ausfahrenden LKW. Den Kunden der YNCORIS wird hiermit die Möglichkeit geboten An- und Ausliefermengen exakt zu bestimmen und sicherzustellen, dass die jeweils zulässigen Gesamtgewichte der LKW eingehalten werden. Im vergangenen Mai mussten die beiden Fahrzeugwaagen am Tor 1 wieder im üblichen Prüfturnus auf ihre einwandfreie Messfunktion kontrolliert und für die nächsten drei Jahre abgenommen werden. Und damit sprichwörtlich geeicht sein.

Dabei wurde jedoch ein Überschreiten der Eichtoleranz festgestellt. Da die Messergebnisse noch im Bereich der so genannten Verkehrsfehlergrenzen lagen, waren die Waagen noch bis zum Jahresende zugelassen. „Uns war klar, dass wir handeln mussten. Entweder die alten Waagen reparieren oder neue installieren“, sagt Björn Przybilla, Teamleiter Distribution bei YNCORIS. Da die Waagen mit einem Alter von über 30 Jahre bereits hochbetagt waren und zuletzt Mängel wie abgesplitterter Beton, Regenwassereinlassungen und Rostfraß auftraten, wurde der komplette Austausch favorisiert. Ein weiteres Argument war, dass man für eine Sanierung nur schlecht an das Herzstück der Flachbettwaagen, die eng stehenden Wägezellen, herankam.    

Innerhalb kurzer Zeit fiel nicht nur die Entscheidung für neue Waagen, sondern wurde ein umfassendes Projekt aufgesetzt. Bereits einen Monat später waren die Details genehmigt und Ende Juli die Aufträge geschrieben. Von da an sollte es nur noch zwei Monate bis zur eigentlichen Ausführung dauern. Bis dahin mussten die Experten im eigenen Haus zu technischen und organisatorischen Details, den Kosten und anderen möglichen Hürden befragt werden. So waren zum Beispiel die Wägetechniker,die Bauleiter vom Facility Management, die Sachbearbeiter des Einkaufs, sowie der Werks- und der Arbeitsschutz in die Beratungen involviert.

Umfangreicher Prozess

„Es fing mit dem Investitionsantrag, seiner Legitimation, Präsentation und Genehmigung an“, schildert Przybilla den Verlauf des Arbeitsprozesses. „Ich habe mit den jeweiligen Experten im Haus gesprochen, was bei den neuen Waagen sinnvoll ist, welche Handlungsalternativen bestehen und mit welchen Kosten zu kalkulieren ist.“ Nach der Bewilligung des Budgets wurden über die Einkaufsabteilung Angebote einzelner Anbieter eingeholt, sortiert und auf ihre technische Plausibilität überprüft.

„Nicht jede Waage erfüllt die Spezifikationen oder Voraussetzungen. So ist zum Beispiel die Beständigkeit der Wägezellen auch von ihrer Anzahl abhängig“, weiß Przybilla. Das Budget wiederum bildet sich aus mehreren Kostenpunkten wie etwa dem Erwerb der Komponenten, dem Abreißen der alten Anlagen, Erdreichaushub und Neubau, der Installations- und Anschlussarbeiten, dem Versetzen der Lichtschranken und neuen Fahrbahnmarkierungen.

Glatt gelaufen

„Die hausinterne Koordination hat genauso gut funktioniert wie die Zusammenarbeit mit Fremdgewerken. So kannten sich bereits die Mitarbeiter von YNCORIS und Strabag durch andere Projekte so gut, dass sie bei den Bauarbeiten eigenständig ihre Absprachen treffen konnten“, freut sich Przybilla, der auch beim Gießen der Fertigbauteile im Betonwerk dabei war. In den rund sechs Wochen der Ausführungsphase vom 3. Oktober bis zum 16. November mussten die Waagen wechselseitig gesperrt und die ein- und ausfahrenden Verkehre über eine Spur und eine Waage geführt werden (siehe KnapsackSPIEGEL 09./10.2020).

Es habe keine nennenswerten Störungen im Betriebsablauf gegeben, und die LKW-Fahrer haben sich schnell an die neue Verkehrssituation gewöhnt, so Przybilla. Auch bei der Installation der massiven Waagenbrücke und beim Einsetzen der mit 48 Tonnen noch etwas schwereren Waagengrube durch zwei Schwerlastkräne sei alles glatt gelaufen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die neue Waage ist aufgekantet. Mit dieser seitlichen Führung und den vorne und hinten begrenzenden Lichtschranken stehen die LKW optimal. „Damit schließen wir auch Messfehler durch eine falsche Positionierung aus“, betont Przybilla. „Insgesamt hat sich dieses anspruchsvolle Projekt gelohnt. Alles ist glatt gelaufen, und der Chemiepark Knapsack hat eine moderne Anlage mehr.“

Das Waagen-Projekt in Zahlen:

  • Kompletter Austausch der Unterflurwaagen bzw. Waagenbrücke und Waagengrube; nur die Technikhäuschen blieben stehen.
  • Prozessverlauf: Nur fünfeinhalb Monate vom Prüfbescheid bis zum abgeschlossenen Neubau
  • Gesamtbudget: 180.000 Euro, davon 40.000 Euro pro Waagenneukauf
  • Aufbau von Waagenbrücke (42 t) und Waagengrube (48 t) durch zwei Schwerlastkräne. Zum Vergleich: Ein fünfachsiger Kipp-Sattelzug wiegt mit Nutzlast 40 Tonnen.
  • Außenmaße: 20 Meter lang, drei Meter breit, ein Meter tief. Die neuen Waagen sind also zwei Meter länger und deutlich tiefer als die alten.   

Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber YNCORIS liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.