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01.04.21

Ein Leben für die Feuerwehr

Rüdiger Menges beendet sein aktives Berufsleben


Für viele ist ein Job einfach nur eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Doch es gibt Menschen, die einen Beruf finden, der sie weit darüber hinaus begeistert. Rüdiger Menges ist so einer. Die Feuerwehr hat ihn seit seinem 15. Lebensjahr gepackt. Fast 41 Jahre arbeitete er bei der Werkfeuerwehr in Knapsack, startete als Maschinist, wurde Feuerwehrmann, Rettungsassistent, Oberfeuerwehrmann, Brandschutzbeauftragter, Oberbrandmeister, Hauptbrandmeister und schließlich Einsatzleiter und Leiter der Wachabteilung. Jetzt geht er in Ruhestand.

Für seinen letzten Arbeitstag Mitte Januar hatten sich die Kollegen etwas Besonderes einfallen lassen. Hier spricht Menges darüber, wie er die Verabschiedung und seine Zeit bei der Werkfeuerwehr empfunden hat und was er für die Zukunft plant.

Herr Menges, ein Spalier aus Feuerwehrfahrzeugen und Kollegen, Blumen, Reden und Fingerfood – das war eine beeindruckende Verabschiedung. Wie ging es Ihnen dabei?

Ich war wie vom Donner gerührt. Mit einer Kleinigkeit hatte ich zwar schon gerechnet, aber die Ideen und der Aufwand haben mich sehr bewegt. Es hat ein paar Stunden gedauert, um wieder runter zu kommen. Ich bin allen, die sich so viel Mühe gemacht und mich so nett verabschiedet haben, sehr dankbar.

Was hat Ihre Frau gesagt, als Sie mit Blaulicht und im Konvoi vorgefahren sind?

Meine Frau konnte es ebenfalls nicht fassen, als der Feuerwehrkonvoi vor der Haustüre stand. Sie hat sich sehr für mich gefreut.

Die Kollegen hatten ein amerikanisches Feuerwehrfahrzeug für Sie organisiert und Sie damit nach Hause gebracht. Wieso?

Ich mag die amerikanischen Fahrzeuge. Die deutschen besitzen eine ausgezeichnete Technologie, doch die amerikanischen haben Charakter. Jedes Feuerwehrauto ist anders, weil es abgesehen von den Grundzügen immer individuell gebaut wird. Es muss auch nicht immer rot sein. Das fasziniert mich.

Wie kam es zu Ihrer Leidenschaft für die Feuerwehr?

Als Jugendlicher habe ich nach einem netten Verein gesucht und durfte mit 14 bei einer Übung der Jugendfeuerwehr dabei sein. Die Gemeinschaft, helfen zu können, aber auch die Leitern, Schläuche und die Uniform - das hat mir so gut gefallen, dass ich dabeigeblieben bin.

Woran werden Sie sich besonders gern erinnern?

An diese besondere Gemeinschaft, an die Kollegialität, das Zusammensein und das Wissen, sich im Einsatz, aber auch sonst immer auf einander verlassen zu können. Unter uns allen herrscht ein besonderes Vertrauen, ein spezielles Miteinander.

Was wird Ihnen am meisten fehlen?

Das „betreute Wohnen“. In unseren 24-Stunden-Schichten haben wir zusammen gekocht, uns über viele familiäre und persönliche Themen unterhalten, den anderen immer besser kennengelernt. Wir können es unseren Kollegen ansehen, wenn es ihnen nicht gut geht. Das wird mich immer begleiten, auch wenn ich weiß, es ist jetzt auch Zeit, dass ich gehe.

Worauf freuen Sie sich jetzt am meisten?

Ich freue mich auf meine Familie, meine beiden Enkel und darauf, nicht mehr zeitlich gebunden zu sein. Jetzt entscheide ich, was ich wann machen möchte. Außerdem habe ich jetzt mehr Zeit, meiner Sammelleidenschaft zu frönen. Ich besitze schon über 6.500 Ärmelabzeichen von Feuerwehruniformen aus den USA und Deutschland. Dadurch sind Kontakte und Freundschaften zu anderen Sammlern entstanden. Mir wird also nicht langweilig.

Was würden Sie unternehmen, wenn kein Lockdown wäre?

Ich würde gern noch einmal nach Singapur. Der Mix aus europäischen und asiatischen Einflüssen hat mich fasziniert. Darüber hinaus freue ich mich schon, wenn wir uns wieder mit Freunden an der Ostsee, in Brandenburg und Franken treffen und Städte bereisen können.

Was war das Highlight Ihrer beruflichen Karriere?

Da fallen mir spontan zwei Ereignisse ein. Als sehr interessant und mit viel Hintergrundarbeit verbunden empfand ich die Beschaffung eines neuen Rettungswagens. Ein besonderes Highlight war natürlich meine Berufung zum Wachabteilungsleiter. Es hat mich sehr stolz gemacht, dass man mir vertraut, Menschen im Einsatz zu führen. Wenn ich sehe, wie viel Wertschätzung mir die Kollegen auch bei der Verabschiedung entgegengebracht haben, müssen sie schon ein bisschen zufrieden gewesen sein.

Gab es besondere Begebenheiten?

Einige. Ich habe zum Beispiel mal einen Mann wiedergetroffen, den wir viele Jahre vorher aus einem Silofahrzeug gerettet hatten. Er erkannte mich direkt und bedankte sich noch einmal – ein sehr schönes Gefühl. Sehr beeindruckend war auch der große Anlagenbrand im Chemiepark 1988. Er hat uns allen noch einmal verdeutlicht, wie gefährlich unsere Arbeit sein kann, aber auch, wie wichtig sie ist.

Wie waren die letzten Wochen bzw. die Übergabe an Arno Büscher?

Loszulassen und aus der Aktivität heraus an einen jungen Kollegen zu übergeben, ist schon nicht immer einfach – gerade das Gefühl, im Einsatz nicht mehr der Gefragte zu sein. Doch dieser Ablauf ist notwendig, damit es weitergehen kann. Ich weiß die Mannschaft in guten Händen.

Was ist das für ein Gefühl, jetzt in Pension zu sein?

Ich hatte im Dezember bereits einen Monat Urlaub und konnte schon ein bisschen üben. So richtig realisieren werde ich es aber erst nach einer gewissen Zeit. Es war ja ein sehr aktives Berufsleben. Meine Frau ist schon seit zwei Jahren in Pension. Jetzt können wir gemeinsam unsere freie Zeit gestalten. Darauf freuen wir uns.

Was glauben Sie, wird sich in Zukunft bei der Feuerwehr in Knapsack ändern?

In diesem und nächsten Jahr zieht eine ganz neue Fahrzeugtechnologie in die Werkfeuerwehr ein. Zusammen mit den jungen Kollegen, die ihre Ausbildung und neue Strukturen einbringen, wird die Werkfeuerwehr schlagkräftiger und leistungsstärker werden. Mit dem neuen Equipment können die Kollegen taktisch besser vorgehen und sind dann noch besser gerüstet für Einsätze aller Art.

Warum sollten sich junge Leute heute für den Beruf des Feuerwehrmann entscheiden?

Die Arbeit bei der Feuerwehr ist sehr facettenreich für an Technik Interessierte und für die, die mit dem Herzen dabei sind, sehr befriedigend. Feuerwehrleute erleben jeden Tag etwas anderes, morgens helfen sie vielleicht bei einer Geburt, am Nachmittag erleben sie schlimmstenfalls den Tod eines Menschen. Sie kommen mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten zusammen. Über all dem steht der Hilfeleistungsgedanke. Bedauerlich ist nur, dass ihnen heute beim Einsatz in der Öffentlichkeit oftmals nicht mehr der nötige Respekt entgegengebracht wird.

 

 


Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
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Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber YNCORIS liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

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Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

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