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09.08.21

„Sach ens Blootwosch“

Die Kölsch-Akademie von Knapsack - oder: Von einem, der vom Main an den Rhein kam...


Es war 1979 und ich kam als junger Mann (24) aus der Zentralen Patentabteilung der Hoechst AG in Frankfurt am Main nach Knapsack. Hatte man mich vorher bereits von Kollegen in netter Weise davor „gewarnt“, von Frankfurt nach Knapsack zu gehen, weil sich dort „Hase und Fuchs Gute Nacht sagen“ und die Luftverschmutzung ein deutlich höheres Maß annahm, als ich es aus Frankfurt her kannte, so leitete mich meine – wenn auch altersbedingt geringe – Erfahrung, dass vieles schon mal schnell übertrieben wird, dazu, Knapsack und mir dennoch eine Chance zu geben.

Waren die ersten Kontakte in der Patentabteilung der Hoechst AG, Werk Knapsack, unter der damaligen Leitung von Herrn Dr. Klaus Hubbuch und der Leiterin des Hauptbüros, Frau Inge Reiner-Seibertz, die absehbar in den Ruhestand gehen wollte und durch mich ersetzt werden sollte, recht positiv, so war der „Warnhinweis“ der lieben Kollegen aus Frankfurt schnell beiseite gewischt und als „Einmischung von Unwissenden“ für mich abgetan. 

Am 2. November 1979 war es dann soweit. Ich startete das Abenteuer in Knapsack, losgelöst von Familie und sozialem Umfeld aus der Frankfurter Zeit. Da ich im Vorfeld keine Gelegenheit hatte, mir in Hürth bzw. im damaligen Erftkreis eine Unterkunft zu suchen (das Internet wurde erst später erfunden), blieb ich zunächst im sogenannten Ledigen- oder Wohnheim in der Dr. Krauss-Straße Nr. 5 in Knapsack. Das war nicht wirklich schön, allenfalls war es zweckmäßig aber schon gar nichts auf Dauer.

Einen Vorteil hatte die Nähe des Wohnortes zum Arbeitsplatz: ich war in fünf Minuten zu Fuß im Büro.

In der für mich neuen Abteilung im vierten Stock der Hauptverwaltung war ich der einzig männliche Mitarbeiter im Bereich der kaufmännischen Angestellten. Die Patentabteilung bestand aus den Patentreferenten, allesamt promovierte Chemiker, die sich um die weltweite Erlangung der Patentfähigkeit von Erfindungen aus den Produktionsbetrieben und der Forschung bemühten und den Sekretärinnen, die dafür sorgten, dass der Schriftverkehr mit den Patentanwälten in den entferntesten Ecken der Erde funktionierte. Zusätzlich gab es noch einen Übersetzer, der die Erfindungstexte und den Schriftverkehr ins Englische und Französische übersetzte.

Im Gegensatz zu meiner Tätigkeit in der Zentralen Patentabteilung in Höchst hatte ich hier die Möglichkeit, den gesamten Lebenszyklus eines Patentes oder Gebrauchsmusters zu erfahren. Aber das war nicht die einzige neue Erfahrung, die ich machen durfte. Auch war es spannend zu erleben, dass diese obere Etage der Verwaltung von vielen gemieden wurde. Das lag nicht daran, dass hier die Menschen, die man auf dem Flur traf unfreundlich waren. Es lag daran, dass man damals noch einen anderen Umgang mit den Herren Doktoren hatte. Man war ehrfürchtig vor so viel vermuteten Wissen und versuchte als „normaler“ Mensch den Kontakt zu dieser Spezies zu vermeiden. Übrigens war das ähnlich auf der zweiten Etage der Verwaltung. Hier war das „Machtzentrum“ von Knapsack angesiedelt. Hier befand sich die Werksleitung und der Produktionsleiter sowie alle Stabsstellen, die durchweg ebenfalls fast ausschließlich von Doktoren geleitet wurden…. Aber ich schweife ab, bleiben wir bei meinem Erlebnis in der Patentabteilung:

Alle Kolleginnen waren gebürtig oder wohnhaft in Hürth und Umgebung. Sie waren deshalb auch mit der kölschen Sprache vertraut, die für mich doch sehr fremd klang. Wenn auch im täglichen Arbeitsleben kein Kölsch gesprochen wurde, so waren doch immer mal wieder kölsche Begriffe im Sprachgebrauch der anderen zu hören.

Meine Unfähigkeit, kölsches Wortgut zu verstehen, geschweige denn zu benutzen, vor allem in der richtigen Tonation und Aussprache, gefiel besonders zwei älteren Kolleginnen, Agnes und Gertie, die sich einen Spaß daraus machten, mich mit kölschen Wörtern und Begriffen zu locken und versuchten, mir als „Frankforter Wörschtsche“ de kölsche Sproch ze liere …

Viele verschiedene Begriffe und Redewendungen wie „dä hätt et Schoss erus“, „Blos dir jet“, „et föttche an d’r Äd“, drieß d’r jet“, küss de hück nit, küss de morje“, „do biste fies op et föttche jefalle“ … waren nur einige, der hier erwähnbaren Redewendungen …

Mir gefiel der kölsche Dialekt direkt und es reizte mich, die Sprache zu verstehen und vielleicht auch irgendwann mal sprechen zu können. Manches habe ich dann mehr schlecht als recht nach Ansicht meiner „Lehrerinnen der Kölsche Sproch“ gelernt oder besser: jeliert. Was ich lange, lange Zeit aber nicht artgerecht über die Lippen bekam war das Wort „Blootwosch“ … Wie oft kam die Kollegin Agnes ins Büro, um Post oder sonstige Unterlagen abzuholen, nicht ohne mir mit einem leuchten in den Augen die Aufgabe zu stellen (und sicher zu sein, dass ich es auch diesmal nicht schaffen werde): „Hür ens: Sach ens Blootwosch“ – Lehrwillig, wie ich war, versuchte ich die Aufgabe zu erfüllen, mit dem Ergebnis, wieder ein Lächeln auf ihr Gesicht ze zaubere … Ich habe lange dafür gebraucht und bin mir heute noch nicht wirklich sicher, ob meine Art von „Blootwosch“ ze sache  die hohen Anforderungen der Kölschen erfüllen würde.

Nach vielen Jahrzehnten im Kölner Umfeld und in Köln habe ich viel Kölsch gehört und verstehe auch recht viel. Meinen letzten Versuch, auch um mich zu testen, startete ich direkt nach meiner Pensionierung. Ich hatte ein Semester an der „Akademie för uns kölsche Sproch“ belegt, musste aber dann doch inmitten der gebürtigen Kölschen feststellen, dass man Kölsch eigentlich nicht lernen kann. Man kann die Worte verstehen und im Geiste auch richtig aussprechen, aber: Ne Immi bliev ne Immi – dat hürt m’r immer erus … subal hä et Muul op määt.

Günther Geisler

 

Nun sind Sie gefragt!

Wir würden gerne wissen, ob auch Sie eine Anekdote aus Ihrem Leben und Arbeiten in Knapsack zu erzählen haben. (Kleine) Geschichten über das Miteinander, ob in der Freizeit auf Abteilungsausflügen oder über den Kegelverein, der sich früher immer an der Kegelbahn im Feierabendhaus Knapsack getroffen hat. Es gibt sicher eine ganze Menge an Geschichten, die wir gerne zusammentragen möchten und die eine oder andere auch hier im KS veröffentlichen wollen.

Aber nicht nur aus der fernen Vergangenheit, so wie die von Günther Geisler, sind die Knapsacker-Geschichten interessant. Auch aus der „Neuzeit“, also aus der Zeit kurz vor und nach der Gründung des Chemiepark Knapsack gibt es sicher eine Begebenheit, die Sie und uns heute noch Schmunzeln lassen könnten.

Wenn Sie sich scheuen, Ihre Geschichte nieder zu schreiben, dann machen wir das gerne für Sie. Melden Sie sich einfach unter kommunikation(at)yncoris.com und wir nehmen Kontakt zu Ihnen auf.

Wir freuen uns heute schon auf Ihre ganz persönliche Geschichte.

 

 

 


Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber YNCORIS liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.