empty
24.08.21

ÜBEN GEHT AUCH ONLINE

Die Arbeit des Werkskrisenstabs ist in der Corona-Pandemie noch einmal komplexer geworden. Doch die Mitglieder sind gut gerüstet.


Der Werkskrisenstab trifft sich in der Regel nur zu zwei Anlässen: bei einem schweren Ereignis im Chemiepark – oder zum Üben. Denn er übernimmt die Koordination der verschiedenen Aufgaben, wenn es brennt oder ein Stoff austritt. „Unser oberstes Ziel ist es, einen möglichen Schaden für Mensch und Umwelt so gering wie möglich zu halten“, sagt Miriam Schütz, die gemeinsam mit Daniela Conradi und Sebastian Hecht aus dem Notfall- und Krisenmanagement den Werkskrisenstab bei YNCORIS organisiert. „Dafür müssen alle Beteiligten aus den Standortunternehmen effektiv zusammenarbeiten, denn die Abläufe sind komplex.“

Auch in Zeiten von Corona erwarten Behörden und Öffentlichkeit nicht nur umfassende Informationen, sondern auch ein perfekt eingespieltes Team. Deshalb trainieren alle Beteiligten regelmäßig. In Pandemiezeiten ist jedoch einiges anders. Normalerweise kommen alle Beteiligten in einem Werkskrisenstabsraum zusammen, der für den Ernstfall optimal vorbereitet und mit allen nötigen Informationen und Materialien ausgestattet ist. Doch eine enge und intensive Zusammenarbeit vieler Menschen in einen Raum ist in Pandemiezeiten undenkbar. „Damit unsere komplexe Organisation im Einsatzfall optimal vorbereitet ist, müssen die Abläufe einfach sitzen“, ist Conradi überzeugt. „Deshalb üben wir derzeit online über Planspiele, die einen Ereignisfall realitätsnah simulieren.“ Dazu nutzen die Beteiligten eine Kommunikationsplattform für Videokonferenzen. Die Übungen sind straff organisiert und in Arbeitsphasen und gemeinsame Besprechungsphasen unterteilt. In den Arbeitsphasen arbeiten die einzelnen Funktionen ihre Aufgaben ab, in den Videokonferenzen informieren sich alle gegenseitig über die aktuelle Lage und den Fortschritt der einzelnen Aufgaben. Wenige Wochen zuvor hatte das Team bereits online den Umgang mit der Presse geübt und dabei ebenfalls auf Videokonferenzen gesetzt.

Hartes Training, leichter Wettkampf

Damit alles reibungslos abläuft, ist viel Organisation im Vorfeld nötig. Über 30 Beteiligte in 16 verschiedenen Funktionen mussten Schütz, Hecht und Conradi für die Werkskrisenstabsübung koordinieren. Darunter waren Vertreter der Bezirksregierung, anderer Behörden, der Polizei und der Feuerwehr. Bereits im Vorfeld hatte das Team vielfältige Unterlagen online bereitgestellt. „Zusätzlich mussten wir viele Übungsabläufe und Kommunikationswege neu planen, damit die Teams in den Funktionen möglichst effizient arbeiten können“, so Hecht.

Der Aufwand hat sich gelohnt. Die Teilnehmer fanden sich nicht nur schnell in der virtuellen Umgebung zurecht, sie erhielten auch einen tieferen Einblick in die Rollen der anderen Mitglieder. „Durch die Übung sind die Aufgaben der einzelnen Funktionen innerhalb des Werkskrisenstabs, der Behörden und der Organisationen mit Sicherheitsaufgaben viel besser nachzuvollziehen“, sagt Birgit Schmidt-Becker von der Bezirksregierung Köln. „Ich schätze die hohe Transparenz in den Abläufen und die Gewissenhaftigkeit, mit der die Teilnehmer ihre Aufgaben während der Übungen und im Ernstfall wahrnehmen.“

Tatkräftige Unterstützung

Auch wenn ein solches Planspiel nicht nur für die Organisatoren, sondern auch für alle Beteiligten einen deutlichen Arbeitsaufwand neben dem Tagesgeschäft bedeutet, ist das Engagement aller schon seit Jahren unverändert hoch. Denn die Übungen sorgen nicht nur dafür, dass Abläufe in Fleisch und Blut übergehen, sondern bieten auch die Möglichkeit, neue Fragen zu diskutieren, Strukturen zu hinterfragen und Abläufe so immer noch ein bisschen besser zu machen. So testeten die Teilnehmer erstmals eine Backoffice-Mannschaft für Pressefragen, die die Pressekoordinatoren unterstützen. „Es hat sich gezeigt, dass die Aufgaben immer umfangreicher werden, wenn wir die Öffentlichkeit schnell und über verschiedenen Kanäle informieren und das Feedback nachhalten wollen“ so Conradi. Das gemeinsame Üben schweißt zusammen. Schütz: „Im Falle eines Ereignisses stehen hier alle Mitglieder sofort bereit, ganz gleich, ob am Wochenende oder nachts, ob für ein Ereignis im eigenen oder einem anderen Unternehmen.“ Diese Einsatzbereitschaft sorgt auch im täglichen Umgang der Unternehmen untereinander für eine positive und konstruktive Grundstimmung.

Nicht alles, aber vieles

Auch nach der Pandemie will das Notfall- und Krisenmanagement die Arbeit mit digitalen Werkzeugen beibehalten und weiter ausbauen. Denn mit ihnen lassen sich Informationen schnell mehreren Funktionen zur Verfügung stellen, die sich nicht im Krisenstabsraum befinden. Komplett ersetzen können sie die gemeinsame Arbeit und die kurzfristige persönliche Abstimmung im Krisenstabsraum jedoch nicht. Darin sind sich die Beteiligten einig. Käme es während der Pandemie zu einem Ereignis, würde sich der Werkskrisenstab daher vor Ort treffen – natürlich mit Hygienekonzept. Bei einigen Teilen des Teams sind virtuelle Lösungen per se nur teilweise möglich: Ein Brand lässt sich beispielsweise nur vor Ort löschen. Auch die Feuerwehr Hürth übt daher regelmäßig gemeinsam mit den Kollegen aus dem Chemiepark. „Wir haben zusammen mit der Werkfeuerwehr in den letzten Jahren viele Abläufe im Ereignisfall geprobt und immer weiter optimiert“, so Michael Frey von der Feuerwehr Hürth. „Nun verstehen wir uns fast schon blind.“

 

Was macht der Werkskrisenstab?

Der Werkskrisenstab – vielen auch unter dem Begriff „Zentrale Einsatzleitung“ bekannt – koordiniert bei einem schwerwiegenden Ereignis im Chemiepark Knapsack alle Aufgaben. Er besteht aus den Standort- und Betriebsleitern sowie anderen Fach- und Führungskräften. Sie alle nehmen unterschiedliche Funktionen wahr: Ein Teil steht in Verbindung mit dem Ereignisort, andere koordinieren den Kontakt mit Behörden, der Polizei, den Rettungskräften und der Feuerwehr, kümmern sich um die Presse oder das Bürgertelefon. Unterstützt wird der Werkskrisenstab von den Notfallmanagern der YNCORIS. Sie sind erste Anlaufstelle bei Ereignissen und rufen die Mitglieder bei Bedarf zusammen. Die Leitung des Werkskrisenstabs übernimmt im wöchentlichen Wechsel ein Mitarbeiter eines Standortunternehmens, der Tag und Nacht erreichbar sein muss. 


Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber YNCORIS liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.