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29.04.22

Nachbarschaftsdialog: Reges Interesse und lebhafte Diskussionen


Neue Bauprojekte, nicht lokalisierbare Gerüche und mögliche Nachwirkungen des Starkregenereignisses – die Menschen auf und um den Knapsacker Hügel beschäftigen derzeit einige Fragen. Diese Themen griff der Chemiepark Knapsack im Rahmen seines halbjährlichen Nachbarschaftsdialogs am 26. April 2022 im großen Saal des Feierabendhauses auf. Entsprechend groß war die Resonanz: Etwa hundert Teilnehmer hatten sich im Feierabendhaus versammelt, darunter Nachbarn, Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen, aber auch Verantwortliche und Mitarbeiter zahlreicher Unternehmen aus dem Chemiepark. „Diese Resonanz zeigt, wie wichtig unseren Nachbarn diese Themen sind und wie groß die Bereitschaft zum Dialog ist, der hier im Chemiepark Knapsack seit Jahren traditionell gepflegt wird“, betonte Christoph Kappenhagen, Geschäftsleiter bei YNCORIS.  

 

Grundwasser ist sicher 

Einen Schwerpunkt des Abends bildeten die durch Teamleiterin Beate Feierabend vorgestellten Bodenbelastungen sowie die Behandlung der obersten Grundwasserschicht. Im Chemiepark Knapsack sorgen eine 30 bis 50 Meter mächtige Tonschicht sowie die Drainagen und Förderbrunnen rund um das Gelände laut Geologin Patrycja Mühleisen für eine Art „weiße Wanne“. Diese verhindert, dass Niederschläge durch die oberste Grundwasserschicht zu einer zweiten, tief gelegenen Grundwasserschicht durchsickern und Stoffe aus der Frühzeit der Produktion auf dem Knapsacker Hügel ausgewaschen werden können. Das Wasser der obersten Grundwasserschicht wird zudem über eine Vielzahl von Messstellen und Förderbrunnen regelmäßig untersucht. Die Daten liegen der Bezirksregierung Köln und dem Rhein-Erft-Kreis vor. 

 

Kein Strom aus neuen Anlagen der RWE 

Den Strombedarf decken die Unternehmen im Chemiepark Knapsack über die Hochspannungsleitungen der Westnetz sowie aus dem standorteigenen Ersatzbrennstoffkraftwerk. Dort werden kommunale und gewerbliche Abfälle wie beispielsweise Hausmüll und Holzreste verbrannt und daraus Dampf und Strom produziert. Ergänzend nutzt der Chemiepark Dampf aus den bestehenden Kraftwerken der RWE, vor allem bei Spitzenlasten und als Sicherungsreserve. Zu den derzeit im Bau und Planung befindlichen Anlagen bei RWE und UPM besteht kein technischer Zusammenhang, der Chemiepark wird von diesen Anlagen nicht mit Strom beliefert werden.

 

Frustrierende ungelöste Geruchsproblematik  

Ein Thema, das die Menschen in Knapsack und Umgebung seit vielen Monaten teilweise massiv belastet, ist der unangenehme Geruch, der häufig nachts oder in den frühen Morgenstunden auftritt. „Auch uns beschäftigt das Thema schon seit Langem und unser Interesse, den Verursacher zu ermitteln ist groß. Denn es belastet unser traditionell gutes Verhältnis zu den Menschen rund um den Standort“, betonte Jürgen Groborz, Leiter Standortsicherheit. Der Chemiepark Knapsack beteiligt sich finanziell zusammen mit anderen Unternehmen im Knapsacker Umfeld an sogenannten Rasterbegehungen, bei der über ein halbes Jahr hinweg verschiedene Punkte sowohl tagsüber als auch nachts von speziell trainierten Personen abgegangen werden, um Gerüche aufzunehmen und einzuordnen. „Die Beschreibung eines Geruchs ist normalerweise höchst individuell. Deshalb ist eine unabhängige Erfassung und Beurteilung außerordentlich wichtig, um die Geruchsbilder vergleichen und einordnen zu können“, so Groborz weiter. „Zudem fährt der Werksschutz Streife, um Gerüche zu erfassen und sie mit der jeweiligen Windrichtung in Bezug zu setzen.“ Das Bürgertelefon ist rund um die Uhr besetzt. Bei einer Beschwerde nimmt der Notfallmanager Kontakt mit den Nachbarn auf und versucht, mögliche Verursacher zuzuordnen.  

Eine Begehung von 13 Anlagen mit der Bezirksregierung Köln, dem Rhein-Erft-Kreis und dem Landesumweltamt NRW habe keine relevanten Quellen für Gerüche ausmachen können. Den Chemiepark sehe man daher nicht als Verursacher für die zahlreichen Beschwerden in den verschiedenen weitläufigen Stadtgebieten. Bei allen Bemühungen um eine schnelle Klärung des Problems betonte Groborz vielmehr, dass im Umkreis von einigen Kilometern rund um den Chemiepark Knapsack auch zahlreiche andere Industrieunternehmen als Verursacher in Frage kämen.

 

Eingehaltene Grenzwerte auch im Starkregen   

Besorgt äußerten sich einige Teilnehmer zu möglichen Belastungen durch das Starkregenereignis im vergangenen Jahr. Angeheizt wurden diese Sorgen durch einen Artikel in den Hürther Anzeigenblättern, in dem von einer „offensichtlich großen Schadstoffmengen“ Rede war, ohne hierfür jedoch Belege vorzuweisen. Christoph Schneiders, Leiter Anlagen Standortbetrieb im Chemiepark Knapsack, widersprach dieser Darstellung entschieden: „Die Werte der Analyse des auf die Industriestraße geflossenen Wassers durch ein unabhängiges Labor lagen deutlich unterhalb der Grenzwerte, mit denen wir unser gereinigtes Wasser in den Duffesbach einleiten dürfen.“ Die Warnung der Nachbarn, den Kontakt mit dem Wasser zu vermeiden, sei am Abend des Ereignisses vorsorglich nach Rücksprache mit der Feuerwehr Hürth erfolgt, die vereinzelte Aussagen bzw. den Verdacht von durch das Abwasser verursachten Hautreizungen von Bürgern aufgenommen hatten – dieser Verdacht hätte sich nicht bestätigt. Schneiders zeigte sich dennoch betroffen, dass die Speicherbecken der Abwasserbehandlungsanlage im Chemiepark Knapsack im Rahmen des Hochwassers übergelaufen sind. Zwar gehe man nicht davon aus mit einem solchen Ereignis so schnell wieder konfrontiert zu werden – zur Einordnung: üblicherweise hat die Abwasserbehandlung einen Durchlauf von etwa 300 Kubikmetern Abwasser stündlich, im Rahmen der Unwetterkatastrophe waren es abends mehr als 20.000 Kubikmeter Regen in einer Stunde und somit in Summe mehr als die doppelte Menge dessen, was technisch als Jahrhundert-Regenereignis bezeichnet wird – dennoch prüfe und diskutiere die YNCORIS diverse technische Möglichkeiten zur Optimierung.  

Der Wunsch einiger Nachbarn nach einer standort- und unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit insbesondere während des Starkregens sowie im Rahmen der andauernden Geruchsbelästigungen sei für die Verantwortlichen im Chemiepark absolut nachvollziehbar, allerdings baten diese um Verständnis dafür, dass „wir heute für den Chemiepark Knapsack sprechen und nicht für die Vielzahl weiterer Unternehmen auf und um den Knapsacker Hügel“, so Kappenhagen.  

 

The New Knapsite 

Als letzten Punkt auf der Tagesordnung erhielten die Teilnehmer Informationen zur Erweiterung des Chemieparks zwischen Luxemburger Straße und Gennerstraße. Die neue Fläche soll nach einem modernen Bebauungsplan vorzugsweise nachhaltige und innovative Technologien beheimaten und neue Arbeitsplätze schaffen. Vorangegangen war ein aufwändiges Bebauungsplanverfahren, das Ausgleichsmaßnahmen für das Gelände berücksichtigt, aber auch die Themen Naturschutz und Landschaftspflege sowie Boden und Grundwasser mit einbezieht. Die bisherige Infrastruktur soll entsprechend erweitert, die neue Fläche ebenfalls engmaschig überwacht werden, um Mensch und Umwelt zu schützen. 

 

Persönlicher Austausch im Anschluss an die Veranstaltung 

Nach dem offiziellen Teil setzte sich der angeregte Dialog im Foyer des Feierabendhauses in kleineren Gruppen fort. Ein konstruktiver Abschluss also nach einem – durch ein kommunikatives Missverständnis im Rahmen der Eröffnungsrede hervorgerufenen – zunächst holprigen Start, für den sich die Verantwortlichen des Chemieparks Knapsack (wie auch schon während der Veranstaltung) an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich entschuldigen. Christoph Kappenhagen zog, wie auch die meisten der anderen anwesenden Repräsentanten der Standortunternehmen, ein positives Fazit: „Es hat uns gefreut, dass so viele Nachbarn im Anschluss an die Vorträge und teils angeregten Diskussionen noch geblieben sind und mit uns persönlich über ihre Gedanken und Erwartungen gesprochen haben. Wir haben heute viele wichtige Impulse und Themen auf- und mitgenommen.“ 

 

NÜTZLICHE LINKS UND DOKUMENTE

Informationen rund um Emissionen und Probenahmen 

Am 14.07.2021 wurde eine Probe des aus den Kläranlagen in Richtung Alt-Hürth austretenden Wassers genommen und analysiert. Alle Werte liegen, teils deutlich, unterhalb der für die Kläranlage genehmigten Konzentrationen für die Einleitung von gereinigtem Abwasser in den Duffesbach. Den abschließenden Analysebericht des unabhängigen, akkreditierten Labors finden Sie hier. Eine Gegenüberstellung dieser an der Probe vom 14.07.2021 gemessenen Werte mit den durch die Bezirksregierung Köln genehmigten Grenzwerten finden Sie hier

Alle Emissionen aus dem Ersatzbrennstoffkraftwerk veröffentlicht der Chemiepark Knapsack regelmäßig im Nachbarschaftsmagazin „Knapsack Spiegel Spezial“. Die letzten Zahlen aus 2021 können Sie hier nachlesen. 

Besichtigungen des Chemieparks  

Eine Besichtigung des Chemieparks können Sie hier anfragen.

Bebauungsplan 

Den Bebauungsplan 512b von „The New Knapsite“ ist hier einsehbar. 

 

 


Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber YNCORIS liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.