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21.11.22

Die Abwasseraufbereitung im CPK spart mit einer Vielzahl von Maßnahmen Strom

Über Nachhaltigkeit reden ist gut, machen ist besser … zum Beispiel in der Kläranlage des Chemieparks Knapsack. Denn zur Verwandlung von Abwasser in gereinigtes Wasser braucht es viel Strom. Wie sich dabei durch clevere Ideen sparen lässt, erklärt Christoph Schneiders, Leiter Standortbetrieb-Anlagen von YNCORIS.


Schneiders hat mit Abstand die meisten Mitarbeiter*innen im Chemiepark. Denn sie sind nicht nur menschlicher, sondern auch bakterieller Natur. Letztere leben im sogenannten „Belebungsbecken“, wo sie organische Bestandteile im Abwasser in ihre Einzelteile verstoffwechseln. Um gut arbeiten zu können, benötigen die Bakterien vor allem eines: Sauerstoff. Ihn erhalten sie in der Knapsacker Anlage über die Abwässer sowie vier Mammutrotoren® pro Becken, die wie bei einem Schaufelraddampfer Luft ins Wasser bringen. Die Rotoren werden durch große Elektromotoren angetrieben – mit einem entsprechend großen Stromhunger. Schon seit einigen Jahren arbeitete das Team der Abwasseraufbereitung deshalb an verschiedenen Einsparmaßnahmen. Dazu maßen die Kolleg*innen den Sauerstoffgehalt in den Becken und regelten per Hand nach. Doch erst mit einer modernen Automatisierung und optimierter Anlagentechnik kam der Durchbruch. „Wir sparen nun rund ein Viertel des Stromverbrauchs von 2016“, sagt Schneiders. „Gerade wenn wir mit Teillast fahren, können wir jetzt deutlich schneller reagieren.“ Denn die Kunst liegt in der richtigen Sauerstoffmenge. Sie muss hoch genug sein, dass die Bakterien möglichst viele Schmutzteilchen verstoffwechseln und damit eine möglichst hohe Reinigungsleistung erbringen können. Gleichzeitig sollten die Rotoren nur wenn nötig laufen und möglichst wenig ins Wasser eintauchen. Denn so bleibt der Widerstand und damit der Stromverbrauch gering. Durch die Regelung mit Messsonden in den Klärbecken und Anpassung der Eintauchtiefe ist das nun viel genauer möglich.

ZIEL: KLIMANEUTRALITÄT

Doch damit nicht genug. „Irgendwann möchten wir klimaneutral sein“, so Schneiders. Er denkt dabei an die sich selbst „ernährende“ Kläranlage. Die ersten großen kommunalen Kläranlagen kommen der Idee schon nahe. Dort liefern unter anderem die in den Faultürmen entstehenden Faulgase die nötige Energie. „Das Abwasser im Chemiepark Knapsack enthält jedoch andere Inhaltsstoffe, die uns vor deutlich größere Herausforderungen stellen. Unser Ziel ist es trotzdem, unser Abwasser zu reinigen, ohne dafür Energie von außen einspeisen zu müssen.“ Auch wenn dies noch Zukunftsmusik ist, plant das Team bereits weitere Optimierungsmaßnahmen. So sollen beispielsweise Solarflächen in beiden Kläranlagen Strom produzieren. Die erste soll im nächsten Jahr am Rand der Abwasseraufbereitung in Knapsack entstehen. „Das bringt uns zwischen 200.000 und 300.000 Kilowattstunden pro Jahr – so viel wie etwa 25 Solaranlagen auf Einfamilienhäusern“, schätzt Schneiders. Durch den Einbau neuester Membranbelüftungstechnik in der Abwasseranlage im Werksteil Hürth erhofft sich Schneiders Stromeinsparungen in Höhe von weiteren 500.000 Kilowattstunden pro Jahr. Das entspricht rund zehn Prozent des Gesamtstromverbrauchs. Auch Fördermittel vom Bund wurden für die Umsetzung beantragt. Bis spätestens März nächsten Jahres soll das Projekt verwirklicht sein.

Weiterführende Informationen sowie aufbereitete Grafiken zum Thema finden Sie in der Ausgabe 05-2022 des KnapsackSPIEGEL


Thomas Kuhlow

Leiter Kommunikation
Tel.: +49 22 33 48-65 70
Fax: +49 22 33 48-94 65 70

ENERGIEVERSORGUNG

Die zuverlässige und kostengünstige Versorgung mit ausreichend Energie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die chemische Industrie. Der Chemieparkbetreiber YNCORIS liefert die benötigten Energien in Form von Strom und Prozessdampf an die produzierenden Unternehmen.

Die Energieversorgung des Chemiepark Knapsack ist auch zu Spitzenlastzeiten garantiert.

Im Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) der EEW Energy from Waste Saarbrücken GmbH werden jährlich bis zu 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe thermisch zu Dampf und Strom verwertet. Ergänzt wird dies durch zwei Gas- und Dampfturbinenkraftwerke (GuD-Kraftwerk) des norwegischen Energieerzeugers Statkraft mit 800 MW und 400 MW installierter Leistung.

Außerdem wird der Chemiepark Knapsack von einem RWE Braunkohle-Kraftwerk in der direkten Nachbarschaft mit Prozessdampf versorgt.