Ein Riese auf Reisen
Über den spannenden Schwerlasttransport von Westlake Vinnolit.

Mehr als 120 Tonnen wiegt das Mittelteil des neuen Oxi2-Reaktors von Westlake Vinnolit. Per Schiff und Spezialfahrzeug kam es nach Knapsack.
Es ist Abend im Krefelder Hafen, die Straße trocken, kaum Wind. Gute Bedingungen für die Verladung von schweren Lasten. Gerade hat ein Kran das 15 Meter lange Mittelstück des neuen Reaktors für den VC-Betrieb von Westlake Vinnolit vom Schiff auf eine Schwerlast-Kesselbrücke gehievt. Jetzt warten alle auf das „Go“ zum Abtransport nach Knapsack. Einer von ihnen ist Wilfried Höhle, der Projektleiter beim für den Reaktortausch beauftragten Ingenieurbüro. Lange hat er auf diesen Tag hingearbeitet.
Intensive Vorbereitungszeit
Über eineinhalb Jahre Planung liegen zwischen der Anlieferung des Reaktors per Schiff am Krefelder Hafen und den ersten Planungen. Jede überfahrene Brücke musste auf ihre Tragfähigkeit geprüft, jede Unterführung und jede Kurve vermessen werden. Eine Aufgabe, die der Hersteller Kremsmüller gemeinsam mit dem Transportspezialisten Felbermayr übernahm und daraus eine detaillierte Streckenstudie erstellte. Außerdem stand das Team, allen voran Projektleiter Wilfried Höhle vom Ingenieurbüro Planting, mit allen Behörden in Kontakt, die die Maßnahmen und den Transport genehmigen mussten.
Gemeinsam mit dem Werkschutz diskutierte er den optimalen Weg ins und durchs Werk. „Tor 2 schied schnell aus, denn der Konvoi hätte nicht durch die Überdachung der Einfahrt gepasst. Auch die Brücke, die die Werksteile verbindet, trägt solche Lasten nicht“, erklärt Höhle. Der Werkschutz überwachte parallel den Verkehr und sorgte für die nötigen Ausweise und Unterweisungen, nicht nur für die Fahrer, sondern auch für das Team, das die Krane bediente. Damit nicht plötzlich eine Baustelle die Strecke verengte, war auch das Facility Management informiert. An allen Haltepunkten durfte das Gefährt zudem wegen der hohen Lasten nicht auf Kanaldeckeln zum Stehen kommen.
Auch Teile des CABB-Geländes waren betroffen. So mussten unter anderem Container und Fahrzeuge Platz machen. Die Feuerwehr informierte Höhle ebenfalls, damit sie bei einem Einsatz den schnellsten Weg wählen konnte. „Wilfried hat das souverän organisiert und bis ins Detail mit allen Beteiligten koordiniert. Wir konnten uns ganz auf unsere vielen anderen Aufgaben rund um den neuen Reaktor konzentrieren“, sagt Robert Sonnenberg, der Betriebsingenieur bei Westlake Vinnolit, der den Reaktortausch organisiert. „Denn wir mussten mit dem Bau des Fundamentes und allen anderen Vorbereitungen fertig sein, bevor der Transport hier ankam.“
Ein langer Weg
Der Reaktor wurde von Kremsmüller in Österreich gefertigt. Ursprünglich war geplant, ihn in einem Stück zu liefern, doch es gab kein Fahrzeug, das die Gesamtlast hätte tragen können. Die drei Teile des Reaktors wurden daher separat mit dem Spezialtransportunternehmen Felbermayr auf die Reise geschickt. Der Mittelteil wiegt mit Abstand am meisten, weil im Inneren ein Kühlbündel mit Schlangenrohren verbaut ist. Das Gesamtgewicht des Transports lag mit 97 Prozent Auslastung am absoluten Limit. Zunächst ging es über Autobahnen und Landstraßen von Steinhaus in der Nähe von Linz bis an die Donau. Dort wurde der Reaktor auf ein Schiff verladen und über Donau und Rhein bis nach Krefeld gebracht. Hier übernahmen Höhle und das Transportunternehmen den Weg bis zum Chemiepark.
Der Reaktor in Zahlen
- Transportgesamtgewicht: 250 Tonnen
- Reaktorgewicht: 120 Tonnen
- Maße des Transports: 58 Meter Länge, 4,5 Meter Breite
- Gesamthöhe des fertigen Reaktors: 33 Meter
- Durchmesser: 3,8 Meter
So geht es weiter
Als Nächstes müssen die drei Reaktorteile verschweißt werden. Für jede einzelne Schweißnaht sind 24 Lagen nötig. „Da kommen ein paar hundert Meter Schweißnaht zusammen“, so Sonnenberg. Die Schweißer arbeiten dabei auf einem Gerüst in der Höhe. Danach wird der gesamte Reaktor mit Wasser gefüllt und muss einem Prüfdruck von 11 bar standhalten. Im Anschluss gilt es, den Reaktor zu trocknen. Denn die drei Zyklonabscheider im Inneren sind mit Beton ausgekleidet und könnten sonst Schaden nehmen. Der eigentliche Umschluss soll während einem der großen Stillstände erfolgen.





