Erfolgreich auf Schicht

Martina Meisenberg war die erste Mitarbeiterin bei Bayer, die in Knapsack als Chemikantin auf Schicht arbeitete.

Sie war die erste Mitarbeiterin bei Bayer, die in Knapsack als Chemikantin auf Schicht arbeitete und die erste, die auch nach ihrer Elternzeit dort anknüpfte. Ihre Kollegen bezeichnen Martina Meisenberg daher liebevoll als „unser Pilotprojekt“. Das war offensichtlich erfolgreich. Denn als Frau auf Schicht ist sie schon lange nicht mehr allein. Über eine gute Zusammenarbeit sagt sie: Kommunikation bringt‘s.

Frau Meisenberg, Sie haben ursprünglich eine Ausbildung zur Fachwirtin für Ganzheitskosmetik und Wellness gemacht. Wie kommt man da zur Chemie? 

Der Unterschied ist gar nicht so groß. Auch in der Kosmetik geht es viel um chemische Zusammenhänge. Den Job selbst und die Atmosphäre in der Branche fand ich allerdings nach drei Jahren ernüchternd, deshalb wollte ich etwas ganz anderes machen. Ein Freund hat mich auf die Idee gebracht, bei einem Tag der offenen Tür in Wesseling vorbeizuschauen. Und was ich dort über Chemikanten erfahren habe, hat mich begeistert – handwerklich, technisch und chemisch.

 

Wie waren Ihre Anfänge in der chemischen Industrie?

Ob in der Ausbildung oder später: Ich war immer erst mal die einzige Frau. Das hatte ganz praktische Konsequenzen: Im PSM2-Betrieb gab es vor meiner Zeit beispielsweise keine Damentoilette – einfach, weil sie nicht benötigt wurde. Mir wurde kein roter Teppich ausgerollt, aber das ist völlig okay so. Am Anfang mussten wir auch Vorurteile aus dem Weg räumen: Frauen brauchen eine Sonderbehandlung, sind zu schwach für bestimmte Tätigkeiten. Hinzu kam die Sorge, ob das normale Gespräch zwischen den Kollegen von mir falsch ausgelegt werden könnte. Das hat sich aber sehr schnell geändert, einerseits weil Schichtmeister und Betriebsleiter voll hinter mir standen und andererseits, weil die Kollegen gemerkt haben: Ich arbeite wie sie und wir unterstützen uns gegenseitig. Die offene Kommunikation von allen hat sehr geholfen. Überhaupt ist Knapsack ausgesprochen familiär. Mir hat von Anfang an sehr gefallen, wie herzlich hier alle sind. 

 

Sie sind jetzt nicht nur Anlagenexpertin, sondern auch Industriemeisterin. 

Richtig, wir sind zu acht auf Schicht im PSM2 davon ein Schichtmeister, ein Teilbereichsschichtmeister, ein IT-Experte und eine Anlagenexpertin. Das bin ich. Außerdem hat mir Bayer die Chance gegeben, parallel zu meiner Arbeit meinen Meister zu machen. Später möchte ich gern eine Schicht leiten. Die fachlichen Voraussetzungen dazu habe ich jetzt, aber es muss natürlich auch eine entsprechende Stelle frei werden. 

2023 wurden Sie schwanger. Wie hat Bayer darauf reagiert?

Das Mutterschutzgesetz erlaubt es Schwangeren nicht, nachts oder an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten. Bayer hat mir deshalb eine Lösung im Tagdienst angeboten. Dort konnte ich verschiedene Projektaufgaben im Büro erledigen. Ich habe unter anderem das Operator-Konzept überarbeitet, Themen in der Messwarte vorangetrieben und in Zusammenarbeit mit Kontraktoren Betriebs- und Verfahrensanweisungen erstellt. 

 

Nach der Elternzeit sind Sie direkt wieder Vollzeit auf Schicht eingestiegen. Was gewinnt im Vergleich: Tag- oder Wechselschicht? 

Für uns ist zurzeit das Wechselschichtsystem besser, denn durch die Freiwochen bin ich öfter den ganzen Tag zu Hause. Klar ist aber auch: Mit kleinem Kind und ohne „Oma-Netzwerk“ muss immer ein Elternteil kürzertreten. Bei uns macht das derzeit mein Mann. Er kann seine Arbeitszeiten sehr flexibel gestalten. Ich finde, Schichtarbeit hat grundsätzlich viele Vorteile, gerade wenn man jünger ist. Wir haben bei Bayer nach der Nachtschicht normalerweise fünf bis sieben Tage frei. Ich fahre nie im Berufsverkehr, kann Arztbesuche oder Termine so planen, wie ich das brauche und werde auf Schicht besser bezahlt. 

 

Zwischenzeitlich waren Sie bei Bayer vier Frauen auf Schicht im PSM1 und 2. Was würden Sie neuen Mitarbeiterinnen raten? 

Ob Mann oder Frau, wir müssen uns alle erst mal kennenlernen. Dabei ist ein respektvolles Geben und Nehmen die Basis für jede Zusammenarbeit, genauso wie konstruktive Kritik. Die sollte man mitteilen, aber auch annehmen können. Ich biete zusätzlich allen neuen Kolleginnen an, zu mir zu kommen, falls sie sich bei einem Thema nicht an einen Kollegen wenden möchten. Meine Erfahrung zeigt: Stolpersteine sind schnell aus dem Weggeschafft, wenn man den richtigen Ansprechpartner kennt.

 

Und rückblickend: noch immer die richtige Entscheidung?

Ja, auf jeden Fall. Die Überwachung und Bedienung von komplexen Anlagen ist interessant, jeder Tag anders. Die Atmosphäre im Team stimmt, wir sind ständig im Austausch, gehen auf Spurensuche, finden gemeinsam Lösungen und haben zusammen Spaß. Und meine Reise ist noch nicht zu Ende.