Neue Gleise für das Salz

Westlake Vinnolit erneuert die zweite Brückenkonstruktion.

Ein wechselhafter Tag im Februar. Der 400-Tonnen-Kran setzt die neuen Gleise über dem Salzlager von Westlake Vinnolit vorsichtig in ihre neue Verankerung. Mihai Ursache schaut sich alles genau an. Er überwacht die Arbeiten als technischer Projektleiter bei Westlake Vinnolit. Auf YNCORIS-Seite unterstützt ihn Gerhard Kivernagel. Für ihn ist es das letzte große Projekt vor seiner passiven Altersteilzeit.

Salz ist einer der wichtigsten Ausgangsstoffe für die Produktion von Westlake Vinnolit. Es lagert in großen, in den Boden eingelassenen Zellen, sogenannten Tiefbunkern. Zwei Bahngleise führen darüber, über die das Salz aus den Waggons direkt in die Zellen gekippt werden kann. Doch die zugrunde liegenden Strukturen sind über 60 Jahre alt, die salzige Atmosphäre fördert Korrosion und setzte den Stahlteilen und der Unterkonstruktion aus Stahlbeton im Laufe der Jahre zu. 1989 mussten die Gleise und deren Unterkonstruktion schon einmal aufwändig erneuert werden – kurz bevor Kivernagel im Chemiepark Knapsack als Bauleiter startete. Nun ist es das letzte Projekt, bevor er ab März das Leben als Ruheständler genießt. Seit drei Jahren arbeitet er gemeinsam mit Ursache am Projekt Gleiserneuerung. Denn seit 1989 hat sich einiges verändert. So gelten beispielsweise neue Normen für Statik und Bau. Außerdem erhöhten sich die Lasten der Waggons.
 

LEICHTER UND HALTBARER 

Zunächst musste das Team die alten Gleise und deren Auflageflächen entfernen. Dazu rückte ein riesiger 750-Tonnen-Kran an, denn aufgrund der alten Stahlbetonkonstruktion wog jedes Teilstück rund 96 Tonnen. Für die neuen Auflager schnitten Fachleute die bestehenden Wände auf und errichteten neue Widerlager. Zusätzlich wurde der neue Beton für hohe Korrosionsbeständigkeit besonders beschichtet. 

Die neue Unterkonstruktion für die Gleise basiert nicht mehr auf Stahlbeton, sondern ist komplett aus Stahl errichtet. Doch rostet sie nicht noch deutlich schneller? „Nein“, sagt Kivernagel. „Der Stahl wird in einem Spritzverfahren sorgfältig verzinkt und zusätzlich von einer Fachfirma mit einem speziellen doppelten Deckanstrich geschützt.“ Am anfälligsten für Korrosion sind die Gleise selbst. Denn damit die Waggons darauf gut fahren können, dürfen sie nicht beschichtet werden. Mögliche Schäden lassen sich an offenliegenden Stahlteilen jedoch viel einfacher erkennen und beheben. Ein weiterer Vorteil: „Die neuen Gleisbrücken wiegen mit 30 Tonnen nur etwa ein Drittel der ursprünglichen Konstruktion“, so Ursache. „Das erleichtert uns den Ein- und Ausbau.“ 

ES WIRD EINFACHER 

Für Westlake Vinnolit bedeutet die Fertigstellung eine deutliche Erleichterung. Denn derzeit ist die Salzversorgung limitiert. Teile der Salzlieferungen müssen zudem per LKW erfolgen. Das erhöht den Verkehr an den Toren und im Werk. Was normalerweise in einen Waggon passt, muss auf vier LKW verteilt werden. Auch im laufenden Projekt war die Logistik eine Herausforderung. „Teile der Zellen waren durch die Arbeiten nicht verfügbar. Wir mussten uns daher eng mit der Produktion und der Salzlogistik abstimmen, aber das hat sehr gut geklappt“, meint Kivernagel. 

ABSCHIED 

Nachdem die Gleise nun montiert sind, müssen die Arbeiter die Anschlüsse an das bestehende Gleisnetz schaffen. Danach stehen die behördlichen Abnahmen an. Die Inbetriebnahme ist für Ende März geplant. Die Westseite hat das Team bereits Ende 2023 in einer rund acht Monate dauernden Sanierung erneuert. „Diesmal sind wir noch etwas schneller, weil wir die Ostseite mit den Kränen besser erreichen“, so Ursache. Kivernagel kann seine berufliche Laufbahn also mit einem weiteren erfolgreichen Projekt abschließen. Wie fühlt sich das an? „Ein richtig gutes Gefühl. Ich habe meinen Job immer gern gemacht, aber ich freue mich jetzt auch auf mehr Zeit für Familie, Reisen und Hobbys.“