Neuer Standortleiter Westlake Vinnolit in Knapsack und Köln-Merkenich

Dr. Lukas Zöphel übernimmt die Nachfolge von Jürgen Eichler

 

Zum 1. Oktober 2025 hat Dr. Lukas Zöphel (links) die Nachfolge von Jürgen Eichler als Standortleiter von Westlake Vinnolit in Knapsack und Köln-Merkenich angetreten. Die Übergabe läuft bis Ende Februar. Im Interview sprachen wir mit beiden über ihre Arbeit als Team und die Ziele, die das Unternehmen in der schwierigen Marktlage verfolgt. 
 


 

 

Gibt es eine erste Zwischenbilanz, die Sie ziehen können? 

Zöphel: Ich glaube, dass ich den Einstieg in die Westlake Vinnolit Welt gut und schnell gemeistert habe. Beim Kennenlernen der Betriebe sind wir dank der Unterstützung von Jürgen Eichler komplett im Plan. In den nächsten Monaten und Jahren gilt es, den Standort zukunftssicher zu machen und auf die aktuellen Herausforderungen auszurichten. 

 

Einer der Vorteile von Knapsack war immer die günstige Energie im Rheinischen Braunkohlerevier. Für die Zukunft ist eine zentrale Frage: Gelingt es, die Energieversorgung und einen Kostenvorteil zu sichern?

Zöphel: Der Strukturwandel im rheinischen Braunkohlerevier muss natürlich auch politisch begleitet werden. Die Frage ist, ob das auch zukunftsgerichtet genutzt wird oder ob man sich in Details verliert. Daran, sich gegenüber der Politik zu positionieren, arbeitet vor allem YNCORIS als Chemieparkbetreiber. Wir sind auch Mitglied bei ChemCologne. Es ist gut, eine Interessensvertretung im rheinischen Revier zu haben, die mit einer Stimme spricht. 

Eichler: Es ist für uns alle wichtig, dass der Standort wettbewerbsfähig bleibt. Und dass alle Serviceleistungen dem Wettbewerb standhalten. Wir müssen aber auch in der Umgebung präsent sein. Hier in Knapsack geht man mit der Nachbarschaft in den Dialog. Zudem sind da Veranstaltungen wie der Politische Feierabend und die Nacht der Technik, die eine Tür öffnen und zeigen, was hinter dem Zaun vor sich geht. 

 

Lassen Sie uns in diesem Zusammenhang auch einen strategischen Blick auf Westlake Vinnolit werfen: Wie plant das Unternehmen seine Zukunft in der rheinischen Chemieregion? 

Eichler: Es sind eine ganze Reihe von interessanten Projekten in der Pipeline. Aber auch Westlake Vinnolit tritt in dieser herausfordernden Zeit auf die Bremse. Lukas Zöphel übernimmt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Dies betrifft die chemische Industrie insgesamt, aber auch speziell den Kunststoffbereich. Auch Westlake macht sich natürlich Gedanken, wie es in Europa weitergeht. Aber ich bin ein Optimist, wenn alle ihre Hausaufgaben machen.

Zöphel: Es ist wichtig, dass sich der Knapsacker Standort mit wettbewerbsfähigen Kosten in der Versorgung durch Energie und Services positioniert. Nur ein attraktiver Standort zieht neue Unternehmen an und kann die Overhead-Kosten wieder auf mehr Schultern verteilen. 

Eichler: Tatsächlich haben wir hier spezifische Vorteile, die wir als strategische Chancen nutzen können, zum Beispiel bei der Infrastruktur mit dem Binnenanschluss am Rhein. Einige Produkte können wir sogar per Pipeline ins Schiff verladen. Und der Energieverbund hier ist sehr dicht. Das sind alles Themen, die uns Vorteile verschaffen. Wir müssen bloß schauen, dass wir die auch effektiv heben können. 

 

Herr Dr. Zöphel, Herr Eichler, die Übergabe der Standortleitung ist offiziell zwar bereits vollzogen, aber bis Ende Februar sind Sie noch gemeinsam an Bord. Wie haben Sie sich in den vergangenen Monaten organisiert? 

Jürgen Eichler: Wir haben uns auf ein halbes Jahr Übergabe verständigt und entschieden, dass Lukas Zöphel bereits nach zwei Monaten übernimmt. Auch wenn zwei Führungskräfte lange Zeit parallel laufen, müssen die Mitarbeitenden immer wissen, wen sie für Entscheidungen ansprechen müssen. Ich stehe im Hintergrund noch zur Verfügung, um den einen oder anderen Punkt abzuarbeiten und zu unterstützen. 

Lukas Zöphel: Zwei Monate sind ein guter Zeitpunkt, um die Führungsaufgaben zu übernehmen. Dann muss man starten, sonst ist die Luft raus. Und das ist in einer sehr kollegialen und professionellen Art und Weise passiert.

Wie macht man das, zwei Standorte parallel zu leiten? Sie können ja schlecht an zwei Orten gleichzeitig sein. 

Zöphel: Nein, aber es gibt einen Kollegen in Köln, der eine übergeordnete Funktion hat. Dadurch ist es möglich, beiden Standorten gerecht zu werden. Ich plane meine Präsenz tageweise und bin jede Woche an beiden Standorten vor Ort.

Eichler: Als ich 2013 angefangen habe, gab es in Köln noch einen eigenen Standortleiter. Seit 2023 gibt es in Köln den Operations Manager für PVC, der in der Führung unterstützt. Zudem hat sich seit Corona einiges in den Meetings verändert. Wir sind viel mehr „virtuell“ unterwegs. Eine gewisse Präsenz wird an den Standorten aber doch geschätzt. Man muss sich sehen lassen. 

Zöphel: Die Schichtmitarbeitenden machen die größte Kollegenzahl aus. Die sind selbstverständlich vor Ort und können kein Homeoffice machen. Und genauso zieht es sich durch die betrieblichen Hierarchien. Wenn man in einem Produktionsbetrieb durch Homeoffice glänzt, leidet der direkte Kontakt. 

 

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit den neuen Kolleginnen und Kollegen? Welche Rolle spielt der Teamgedanke? 

Zöphel: Am Anfang ist das erstmal ein Beschnuppern: Was macht der Neue? Wie ist der drauf? Vielleicht gibt es auch Ängste. Ich glaube, die habe ich gut abfedern können, indem ich offen aufgetreten bin. Es hat sich schnell ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Standortleitung ist eine Teamaufgabe. Da muss man sich aufeinander verlassen können. Für mich war von Anfang an klar: Ich führe keine massiven Veränderungen ein, nur um es anders zu machen. Arbeitsprozesse, die gut funktionieren, führe ich weiter. Und dort, wo wir besser werden können, möchte ich die Dinge verändern. Kontinuierliche Verbesserung ist Pflicht – an den Anlagen und in der Organisation. 

 

Mit welchen Zielen treten Sie als neuer Standortleiter an?

Zöphel: Das oberste Ziel ist der sichere und bestimmungsgemäße Betrieb der Anlagen. Die Achtsamkeit muss hierfür immer hochgehalten werden. Und das nicht nur acht, sondern 24 Stunden am Tag, bei 400 bis 450 Personen. Das ist die Grundlage für alles wirtschaftliche Denken.  Der Fokus der kommenden Jahre wird sein, die Konkurrenzfähigkeit des Standorts in allen Bereichen zu erhalten und weiter zu verbessern. Die chemische Industrie befindet sich in einer massiven Konsolidierungsphase.

 

Was hat Sie beide bisher in Ihrer beruflichen Laufbahn besonders geprägt? 

Zöphel: Die Erkenntnis, dass in der Produktion nicht die berechnete Tonne zählt, sondern die, die hinten rauskommt. Die Produktion lügt nicht. Es ist ein ehrliches Handwerk. Man kann planen, man kann forschen, aber die Wahrheit ist das, was am Ende auf der Waage steht. Jede Tonne muss „erkämpft“ werden. Das ist einer der Gründe dafür, dass ich die Produktion schätzen gelernt habe. 

Eichler: Als Standortleiter steht man immer im Fokus. Und: Jede unserer Anlagen unterliegt der Störfallverordnung. Da bin ich einerseits froh, dass eine gewisse Last nun weg ist. Denn der Standortleiter ist immer derjenige, der im Fokus steht. Ganz egal, ob gegenüber der Behörde, der YNCORIS, der Öffentlichkeit oder der Unternehmenszentrale. Aber hier in Knappsack haben wir eine Gemeinschaft, die füreinander einsteht. Weil wir ein gemeinsames Notfallmanagement haben. Im Ereignisfall unterstützen wir uns gegenseitig. Das ist ein Punkt, der hervorzuheben ist. Dass man sich auf die Kolleginnen und Kollegen auch aus den anderen Standortunternehmen verlassen kann. 

Zöphel: Es ist wirklich ein tolles Miteinander im Werkskrisenstab. Man wird in den Übungen an das Thema herangeführt. Da kommen ganz viele unterschiedliche Erfahrungsschätze zusammen – von erfahrenen Werkskrisenstabs-Mitarbeitenden bis hin zu Neulingen. Und jeder hat sein Spezialgebiet. Da kann man viel voneinander lernen. 

Last but not least: Können Sie beide ein bisschen mehr über die Menschen Lukas Zöphel und Jürgen Eichler verraten? Was tun Sie, Herr Zöphel, wenn Sie freie Zeit haben? 

Zöphel: Welche freie Zeit meinen Sie? (lacht) Seit ich den Job habe, bin ich noch mehr Familienmensch als vorher. Weil die Zeit so kurz ist. Man lernt das zu schätzen. Die Zeit mit den Kindern versuche ich sehr intensiv zu nutzen. Und ich habe meine Hobbys: Ich gehe gerne laufen. Seit ich zwölf bin, spiele ich Schlagzeug, später ein bisschen Gitarre und Klavier. Jedes Instrument hat seine Herausforderungen, und Schlagzeug spielen ist vor allem in einer Band erfüllend. Ich glaube, das kann man gut auf den Job übertragen. Da ist es wichtig, mit anderen zusammenzuspielen. Ich habe praktisch den ganzen Tag über Besprechungen. Wenn mir das keinen Spaß machen würde, wäre ich falsch auf dem Stuhl. 

 

Und was tun Sie, Herr Eichler, zukünftig ohne Knapsack und Merkenich?

Eichler: Ich gehe wieder zurück nach Oberbayern. Meine Frau lebt im Süden, die Kinder sind in Deutschland verteilt und kriegen schon eigene Kinder. Jetzt gilt es, ein bisschen mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Nach wie vor versuche ich, sportlich unterwegs zu sein. Um den Kontakt nach Knapsack und zur Chemie zu halten, bin ich der Pensionärsvereinigung beigetreten. Um einfach zu hören, wie es weitergeht. Es ist eine spannende Zeit aktuell, mit wichtigen Weichenstellungen bei allen Standort-Unternehmen. 

 

Und ich nehme an, die Telefonleitung ist immer frei für Herrn Zöphel?

Eichler: Das auf jeden Fall. Aber ich bin sicher, er schafft das ohne mich. Er ist auf einem sehr guten Weg!

 

Dr. Lukas Zöphel ist 42 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder im Grundschulalter. Der gebürtige Hesse hat in Mainz Chemie studiert und wechselte danach zur Promotion ans Max-Planck-Institut für Polymerforschung. 2013 startete Zöphel seine berufliche Karriere bei einem Spezialchemieunternehmen am Niederrhein. Dort arbeitete er zuerst im Kunststoffbereich in der Produktentwicklung und wechselte anschließend in die Produktion, zuletzt für Materialschutzprodukte. Zöphel war acht Jahre in der Betriebsleitung verschiedener Betriebe tätig, bevor er bei Westlake Vinnolit eine neue Herausforderung angenommen hat: Die Verantwortung für einen Produktionsverbund. Seit dem 1. August 2025 ist Zöphel am Standort Knapsack und hat zum 1. Oktober die Werksleitung für die Standorte Knapsack und Köln-Merkenich übernommen.