Der Bahnleitstand im Chemiepark Knapsack
Neues Gebäude, gleiche Mission und ein starkes Signal für die Schiene am Standort.

Am 4. August gingen acht Monate Übergangslösung zu Ende: Mit einem großen symbolischen Schlüssel übergaben Christoph Kappenhagen und Ralf Müller (Geschäftsleitung, YNCORIS) den neuen Bahnleitstand an die Bahnkollegen im Chemiepark Knapsack. Dabei betonten sie die Bedeutung der Schiene als Verkehrsträger und für den Standort. Bei der kleinen Einweihungsfeier im neuen Pausenraum waren die Beschäftigten des Bahnbetriebs, das Team um Eisenbahnbetriebsleiter Marcel Schäfer, dem Steuerungsteam sowie Fachleute aus dem Facility Management zusammengekommen. Einen Tag später hatten auch Mitglieder der Standortkonferenz Gelegenheit, sich das neue Gebäude anzusehen, das der Wichtigkeit des Bahnbetriebs Rechnung trägt.
Eine Woche vorher: Endspurt auf der Baustelle
Wer den Bahnleitstand nur sieben Tage vor der Übergabe besuchte, brauchte noch etwas mehr Vorstellungskraft. Die Teeküche war gerade erst angeliefert worden, Fachleute prüften Wasserhähne und Elektrik, letzte Malerarbeiten standen an, während die Möbel bereits an ihrem Platz warteten. Doch der Zeitplan hielt. Der Aufenthaltsraum mit gepolsterten Sitzbänken in grau und Tischen in taupe ließ schon erahnen, wohin die Reise geht: ein Arbeitsumfeld, das den Namen verdient.
Dringend nötig
Das war nicht immer so. Die bisherige Unterbringung in den 28 Jahre alten Containern war weder zeitgemäß noch wirtschaftlich. Elektroheizungen trieben die Energiekosten in die Höhe, feuchte Arbeitskleidung ließ sich nicht vernünftig trocknen. „Unsere Kollegen im Außeneinsatz müssen sich bei Hitze, Kälte oder Regen manchmal mehrfach am Tag umziehen”, erklärt Schäfer. “Jetzt haben wir dafür ausreichend Platz und die Möglichkeit, nasse Arbeitskleidung aufzuhängen und zu trocknen.”
Im Bahnleitstand bedienen ab sofort die Fahrdienstleiter zehn Weichen und stellen die nötigen Fahrstraßen ein. In den Büros erteilen Disponenten Fahraufträge, verwiegen Ladungen und sorgen durch permanente Kommunikation mit den Standortkunden für ein hohes Maß an Servicequalität. Hinzu kommen ein Büro für den Manager Bahnlogistik, ein Schulungs- und Besprechungsraum, ein Pausenraum sowie die Umkleiden und Sanitäranlagen.
Investition mit Augenmaß
YNCORIS hat bei diesem Projekt bewusst priorisiert. Die ursprünglich geplante Garage für die Zwei-Wege-Fahrzeuge (Unimogs) wurde aus Einspargründen nicht realisiert. Die Stellwerkstechnik verbleibt vorerst im bestehenden Backsteingebäude. Ein Umzug hätte einen vierwöchigen Stillstand des Bahnbetriebs bedeutet – das war nicht vertretbar. Stattdessen legten die Planer den Technikraum im Neubau so an, dass die Stellwerkstechnik perspektivisch integriert werden kann. Dadurch ließe sich das neue System parallel zum bestehenden Stellwerk aufbauen und per Umschaltung in Betrieb nehmen. In den beengten Interimscontainern, in denen die Beschäftigten während der Bauphase untergebracht waren, wäre das nicht möglich gewesen.
Premiere im Chemiepark: Photovoltaik und hoher Automatisierungsgrad
Der neue Bahnleitstand setzt in mehrfacher Hinsicht Maßstäbe am Standort. Auf dem Dach befindet sich die erste Photovoltaikanlage der YNCORIS im Chemiepark. Mit rund 13 Kilowatt Peak-Leistung – vergleichbar mit einer Anlage auf einem Einfamilienhaus – versorgt sie zukünftig den Bahnleitstand. Im Sommer speist sie unter anderem die Klimaanlage, die Arbeitsplätze und unterstützt die Warmwasserversorgung.
Erstmals kommt hier auch eine vollumfängliche Gebäudeautomation zum Einsatz. Sie steuert Heizung, Klimaanlage, Beleuchtung und Beschattung. So erkennt beispielsweise die Wetterstation auf dem Dach, ob die Sonne scheint, und fährt automatisch an der richtigen Stelle die Rollläden herunter, damit sich die Räume nicht zu stark erwärmen. Die Beleuchtung schaltet sich nur ein, wenn Personen im Raum sind. Die Heizung reagiert tagsüber präsenzabhängig und senkt sonst die Temperatur ab. Wird in einem Raum gelüftet, schalten sich Heizung oder Klimaanlage ab, um keine Energie zu verschwenden. All diese Neuerungen sollen nicht nur Energie sparen, sie entsprechen den Vorgaben aus dem Gebäudeenergiegesetz. Die Erfahrungen aus dem Einsatz im Bahnleitstand fließen zudem in den Bau des neuen Torgebäudes in Hürth-Süd und der neuen mechanischen Werkstatt ein.
Signal für die Zukunft
„Dass wir in solch herausfordernden Zeiten dieses Geld ausgeben dürfen, ist ein starkes Zeichen der Wertschätzung für alle Kollegen im Bahnbetrieb", sagte Marcel bei der Schlüsselübergabe. Die Schiene gilt unter Experten als Verkehrsträger der Zukunft. Mit dem neuen Bahnleitstand investiert YNCORIS in den Standort und in ein Arbeitsumfeld, das diese Zukunftsfähigkeit widerspiegelt.