Es grünt so grün

Die Grünflächen im Chemiepark Knapsack sind größer als so manches Eifeldorf.

Morgens um 7:30 Uhr im Büro von Bruno Küpper. Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung ist Hubertus Mermi, der Garten- und Landschaftsbauer, dessen Team sich seit vielen Jahren um die Grünanlagen im Chemiepark kümmert. Jeden Morgen um diese Zeit meldet sich Mermi zum Einsatz, und die beiden besprechen, was an diesem Tag ansteht. Fünf bis sieben Mitarbeiter von Mermi arbeiten das ganze Jahr über auf dem Gelände. Anfang Mai ist die erste Runde der Schnittarbeiten abgeschlossen, die Flächen gemäht, die Büsche gestutzt, die Beete gejätet. Manche Teile des Chemieparks werden erstgegen Ende des Sommers wieder gemäht, andere bis zu achtmal während der Wachstumsperiode bis Ende Oktober, also im Schnitt einmal pro Monat. Das betrifft beispielsweise die Bereiche rund um die Tore in Knapsack und Hürth. „Das ist das Erste, was Besucher des Chemieparks sehen und daher unsere Visitenkarte“, so Küpper. Regelmäßig freigeschnitten werden auch die Werkszäune auf einer Gesamtlänge von gut 20 Kilometern Länge, damit sie der Werkschutz inspizieren kann. An vielen Stellen ist der Maschendrahtzaun im unteren Bereich mit Baustahlmatten verstärkt. „Wildschweine wühlen sich sonst einfach unter dem Zaun durch“, so Küpper. „Sie sitzen dann unbemerkt in den Büschen und schauen uns beim Arbeiten zu.

Bis zu 25.000 m2 sind einzelne Grünflächen im Chemiepark groß. Das ist selbst für die klassischen Aufsitzrasenmäher zu viel, die auf den meisten Flächen zum Einsatz kommen. „Hier mulchen wir die Flächen mit einem Traktor“, erklärt Küpper. Kleinflächen, zum Beispiel rund um Büsche oder Beete, werden mit einem Freischneider bearbeitet. Für die Grünflächenpflege der eigenen Produktionsbetriebe ist jedes Standortunternehmen selbst verantwortlich. „Viele haben uns mit diesen Arbeiten beauftragt“, sagt Küpper. Sie entscheiden selbst über das Pflegeintervall.

Wo es summt und brummt 

Einzelne Flächen, die sich nicht in der Nähe von Produktionsanlagen befinden, lässt Küpper den ganzen Sommer unberührt, damit sich Insekten und Tiere dorthin zurückziehen können. Hier gibt es unter anderem Totholzhaufen, in denen Mäuse, Insekten, Amphibien und Reptilien leben können. Küpper: „Die Gelände sind so ausgewählt, dass sich Menschen und Tiere möglichst nicht in die Quere kommen.“ Das lässt sich im sogenannten „Möwenblockfeld“ kaum vermeiden, dem Wiesenstück vor den Gebäuden 0128 und 0611. Hier brüten die Tiere in Erdnestern. Doch nicht nur dort. Auch auf den Rohrbrücken, die rund um die Wiese verlaufen, haben sich die Vögel eingenistet. Wenn diese Rohrbrücken kontrolliert werden müssen, treffen Mensch und Möwe aufeinander – und das sorgt auf beiden Seiten für wenig Begeisterung.

Spürbare Klimaveränderung 

Die trockeneren Sommer hinterlassen auch im Chemiepark ihre Spuren. Viele Ahornbäume fallen seit einigen Jahren dem Rußrindenpilz zum Opfer. „Manchmal dauert es nur ein Jahr, bis ein Ahorn komplett austrocknet und umzufallen droht“, erklärt Küpper. „Am Ende bleibt nur ein schwarzer Stamm übrig.“ Wenn der Baum ein Gefahrenrisiko darstellt, heißt es schnell handeln. Er führt daher in enger Abstimmung mit der Stadt Hürth ein Baumkataster mit Gefährdungsbericht. Dort ist genau festgelegt, was zurückgeschnitten oder gefällt werden soll. Dem Unkraut rückt das Team per Hand, mit Freischneidern und einer Tellerbürste aus Draht zu Leibe.

Durchatmen 

16:30 Uhr, der Arbeitstag von Küpper neigt sich dem Ende zu. Als er das Gebäude 0611 verlässt, fällt sein Blick auf das „Möwenblockfeld“ mit seinem Grün. Zwei Möwen schenken ihm sofort ihre Aufmerksamkeit. Ein schönes Bild.