Füreinander & Miteinander
Im Gespräch: Michael Weber – der Ortsvorsteher von Alt-Hürth und Knapsack.

Wer durch Alt-Hürth spaziert, spürt es sofort: Dieser Ort hat eine eigene Stimmung. Das ehemalige Kloster, die Kirche aus dem 17. Jahrhundert, Mütter mit Kinderwagen, ein freundlicher Gruß von der anderen Straßenseite. In Sichtweite des Chemieparks Knapsack liegt eine Welt, die ihren eigenen Rhythmus kennt - ruhig, vertraut, ein bisschen eigen. Genau das schätzt Michael Weber, seit November 2025 Ortsvorsteher von Alt-Hürth und Knapsack. Wir treffen ihn vor dem alten Löhrerhof zu einem Rundgang und einem Gespräch mit viel Heimatgefühl.
VOM BOLDERHOF IN DIE KNAPSACK-FAMILIE
Michael Webers Familie lebt seit Generationen im Ort. Lange hat er sich eine Zukunft als Landwirt vorgestellt - doch am Ende rechnete es sich nicht er durch Alt-Hürth spaziert, spürt es sofort: Dieser Ort hat eine eigene mehr. „Angefangen habe ich bei RWE, mit der Lehre zum Energie-Elektroniker“, erzählt er. „Was mich im Kraftwerk wirklich geprägt hat: Die Kraftwerker gingen immer die Extra-Meile. Einsatzbereitschaft, kollegialer Zusammenhalt - das kannte ich aus der Landwirtschaft. Ohne gegenseitige Hilfe läuft da nichts.“
MEHR EHRE ALS AMT - UND WARUM ER ES GENAU DARUM MACHT
Das Amt des Ortsvorstehers ist ein Ehrenamt. Kein Gehalt, keine echte Entscheidungsbefugnis, dafür viel Zuhören, Vermitteln und Weitergeben.
„Als man 2025 auf mich zukam, habe ich mir Zeit genommen, mit meiner Frau gesprochen - und mir dann klar gesagt: Das mach ich. Es ist mir wichtig, für alle Menschen da zu sein, egal aus welchem politischen Lager sie kommen. Es sind meine Nachbarn - und denen mochte ich zuhören." Ein Parteibuch hat er, aber Politiker will er keiner sein. „Dafür sind andere besser geeignet.“ Seine Stärke liegt im Brückenbauen und Vermitteln.
WO MAN IHN FINDET – UND WIE MAN IHN ERREICHT
Den alten Hof kennen viele – und die Tür steht offen. Wer ihn nicht antrifft, findet ihn telefonisch oder spricht das Rathaus an, wo er regelmäßig nach Neuigkeiten fragt. Besonders wichtig ist ihm der Markttag: „Ich versuche immer, ein, zwei Stündchen dort zu sein. Dort kann mich jeder ansprechen – und das freut mich wirklich.“ Vertrauen steht für Weber an erster Stelle. „Ein bisschen Kummerkasten sein gehört zum Amt – aber mehr als Kummer mag ich das Kümmern. Zusammen was auf die Beine stellen, Spaß haben.“ Er erzählt beispielsweise vom Maibaum, den die Kinder geschmückt haben, bevor er gemeinsam aufgestellt wurde. Ein Beispiel dafür, wie Gemeinschaft hier ganz praktisch gelebt wird.
ZWEI ORTE, DIE AUF IHRE CHANCE WARTEN
Weber zeigt zwei Stellen, die ihn beschäftigen: das alte Schwimmbad, seit Jahren außer Betrieb, heute in Privatbesitz. „Viele hätten es gerne als Schwimmbad zurück. Andere ein Wirtshaus mit Biergarten. Momentan müssen wir mit der Situation leben. Aber damit abfinden? Nein.“ Einen Steinwurf von der Kirche entfernt klafft eine Baulücke – dort, wo jahrzehntelang das Gasthaus „Treff punkt Paula“ stand. Für Weber steckt mehr dahinter als Optik. „Das Gasthaus war ein wichtiger Treffpunkt, ein Ort der Begegnung. Diese Lücke schmerzt.“ Lösungen hat er noch nicht – aber Ideen. Und den Willen, sie gemeinsam anzugehen.
GEMEINSCHAFT – DAS ECHTE WORT FÜR COMMUNITY
„Das Gefühl, hier eine Heimat zu haben – das ist mir sehr wichtig. Basis dafür ist Zusammenhalt und das Füreinander-da-sein im echten Leben. Durch die Digitalisierung geht schnell verloren, dass es eine Welt vor der eigenen Haustür gibt – mit echten Menschen und echten Freundschaften. Im Internet heißt das Community. Hier bei uns ist es Gemeinschaft.“
DER BLICK NACH VORNE – EIN VORSICHTIGER OPTIMISMUS
Wo sieht er Alt-Hürth in fünf Jahren? Weber denkt kurz nach: „In fünf Jahren wünsche ich mir eine wieder belebte Gemeinschaft. Man sieht ja auch, wie angesagt das ‚Dorf‘ heute ist – immer mehr Familien suchen hier eine neue Heimat, ganz einfach, weil sie sich wohl fühlen. Es sind die Werte des Dorfes, der Zusammenhalt, die Örtchen wie Alt-Hürth lebenswert machen. Wenn wir gemeinsam weiter Hand in Hand arbeiten – dann sehe ich der Zukunft positiv entgegen.



