Hanke Aromastoff-Produktions-GmbH feiert zehn Jahre im Chemiepark Knapsack

 

Im Gespräch mit Dr. Oliver Kaczmarek geht es um zehn Jahre Standort Knapsack, Wachstum, Wandel – und Aromen, die niemand sieht, aber jeder schmeckt.


Ungefähr 100 Liter am Tag. So viel produziert Hanke am Standort Knapsack – während andere Unternehmen im Chemiepark mit sechsstelligen Tonnenzahlen kalkulieren. Und doch landet, was hier in kleinen Mengen entsteht, irgendwann in fast jedem Kühlschrank: Aromastoffe, die Lebensmitteln erst ihren typischen Geschmack geben. Möglich macht das ein Unternehmen mit langer Tradition: Die Muttergesellschaft Silesia wurde bereits 1910 in Düsseldorf gegründet – ursprünglich als Spezialist für Edelliköre. Seit 2016 ist Hanke mit eigener Produktion auch im Chemiepark Knapsack vertreten.
 




Die Sendung mit der Maus ruft an: Wie würden Sie in einfachen Worten erklären, was Hanke eigentlich macht?
Wir machen nützliche Aromastoffe. Das sind winzig kleine Geschmacks- und Dufthelfer. Sie sorgen dafür, dass ein Joghurt schön nach Erdbeere schmeckt, ein Bonbon nach Himbeere oder ein Getränk nach Cola. Ohne diese kleinen Helfer wäre vieles zwar süß oder sauer, aber es hätte nicht den typischen Geschmack, den wir kennen. Manche Aromastoffe kommen direkt aus Pflanzen, Früchten oder Gewürzen – zum Beispiel aus Vanille oder Zitronenschalen. Andere stellen wir im Labor her. Dabei schauen wir uns genau an, wie ein Geschmack in der Natur aufgebaut ist, und bauen ihn aus kleinen Bausteinen nach. Das ist ein bisschen wie bei Lego: Aus vielen kleinen Teilen entsteht am Ende genau das richtige Modell.


Warum fiel 2016 die Wahl auf den Chemiepark Knapsack?
Wir sind inzwischen seit zehn Jahren an diesem Standort und können sagen, dass sich unsere Entscheidung immer wieder bestätigt hat. Besonders schätzen wir die zuverlässige und kosteneffiziente Energieinfrastruktur. Ein großer Vorteil ist außerdem die Unterstützung durch die gut ausgebildeten Mitarbeitenden des Standortbetreibers, die sich um Instandhaltung, Werkschutz sowie Behörden- und Öffentlichkeitskommunikation kümmern. Dadurch können wir uns voll auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Gerade für uns als kleines Unternehmen mit rund 15 Mitarbeitenden wäre es kaum möglich, all diese Aufgaben selbst in gleicher Qualität abzudecken.


Mit dem Wissen von heute: Was würden Sie nochmal genauso entscheiden – und wo sehen
Sie Optimierungspotenzial?
Die Entscheidung, nach Knapsack zu ziehen, würden wir jederzeit wieder so treffen. Was wir rückblickend vielleicht anders hätten angehen sollen: die Produktionskapazitäten von Anfang an großzügiger auslegen. Das klingt aus heutiger Sicht natürlich einfacher als es ist – damals war das neue Gebäude bereits größer und moderner als unser bisheriges am Standort in Neuss. Aber die positive Entwicklung des Unternehmens hat uns eines Besseren belehrt. Mit dem Neubau unseres Lagers 2024 haben wir bereits einen wichtigen Schritt gemacht. Und die nächsten Schritte sind gedanklich schon in Planung.

Die Mitarbeiterzahl hat sich verdoppelt, die Fluktuation ist gering. Wie erklären Sie sich das?
Viele unserer Mitarbeitenden sind bereits seit über 15 Jahren Teil des Unternehmens – einige haben sogar den Umzug von Neuss nach Hürth aktiv mitgestaltet. Diese Kontinuität hat einen Grund: Als kleines Unternehmen bieten wir zwar keine klassische Karriereleiter, dafür aber abwechslungsreiche Aufgaben mit echter Eigenverantwortung. Unsere Mitarbeitenden entwickeln Produktionsprozesse eigenständig weiter – das schafft eine Identifikation mit dem Unternehmen, die man nicht verordnen kann. Ergänzt wird das durch ein modernes Arbeitsumfeld und attraktive Zusatzleistungen: Jobrad, Jobticket, Parkplätze und Zuschüsse zur betrieblichen Altersvorsorge. Wer diese Möglichkeiten nutzt und die Gestaltungsfreiheit annimmt, findet bei Hanke weit mehr als einen klassischen Job.


Fachkräfte, Ausbildung, Zukunft – wie stellt sich Hanke auf?
Aufgrund unserer Betriebsgröße bilden wir aktuell noch nicht selbst aus, sehen darin aber mittelfristig eine Möglichkeit, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen. Der Einstieg bei uns erfolgt sehr praxisnah: direkt in der Produktion, eng begleitet von erfahrenen Kolleg*innen und dem Produktionsleiter. Ein Vorteil des Standorts Knapsack ist dabei, dass wir bei Stellenausschreibungen vom starken Ausbildungsumfeld im Chemiepark profitieren – unter anderem mit Partnern wie BASF, die für ein sehr hohes Ausbildungsniveau bekannt sind. Gleichzeitig arbeiten wir daran, unsere Prozesse stärker zu automatisieren – auch mit gezieltem Einsatz von KI – um Produktionskapazitäten weiter auszubauen und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.


Welche Märkte und Trends treiben Hanke gerade an?
Fleischalternativen spielen für uns eine immer wichtigere Rolle – aber geschmacklich müssen sie möglichst nah an ihre klassischen Pendants herankommen. So soll beispielsweise ein vegetarisches Schnitzel letztendlich nach einem echten Schnitzel schmecken und ein veganer Burger nach einem gegrillten Fleisch-Patty. Unsere Produkte verleihen alternativen Lebensmitteln genau diesen authentischen Geschmack. Aktuell beobachten wir auch einen wachsenden Trend zu funktionalen Produkten – also Lebensmitteln, die beim regelmäßigen Verzehr einen zusätzlichen Nutzen bieten sollen. Produkte mit Protein- oder Ballaststoffanreicherung, mit Kollagenzusatz oder mit Adaptogenen –pflanzlichen Wirkstoffen aus Kräutern, Wurzeln oder Pilzen – finden zunehmend ihren Weg in die Regale. Diese Zusätze stellen geschmacklich besondere Anforderungen. Auch bei diesen herausfordernden Lebensmitteln sorgen unsere Produkte –eingebunden in komplexen Aromaformulierungen – dafür, dass am Ende das Geschmackserlebnis stimmt.


Gibt es ein Beispiel für ein Aha-Erlebnis: „Das war Hanke?“
Unsere Aromastoffe werden von unserem Mutterunternehmen Silesia gemeinsam mit weiteren Komponenten zu harmonischen und hochwertigen Aromen komponiert. Ein Teil davon findet sich in Produkten vieler namhafter Nahrungsmittelhersteller wieder. Die Wahrscheinlichkeit für ein „Oh, das war Hanke“ ist also recht hoch. Meine Kinder und ich sind übrigens begeisterte Liebhaber dieser Produkte.