Palurec stellt erste Flaschen aus Getränkekarton-Rezyklat her
Aus Getränkekartons werden im Chemiepark Knapsack jetzt auch Flaschen. Ein Meilenstein für die Kreislaufwirtschaft am Standort.

Palurec stellt erstmals Verpackungen aus eigenem Rezyklat her – mit bis zu 90 Prozent Recyclinganteil.
Was Andreas Henn, Geschäftsführer Palurec, in der Hand hält, sieht auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Henkelflasche aus. Leicht grünlich, mit einer Oberfläche, die sich rauer anfühlt als herkömmlicher Kunststoff. Für Palurec markiert diese Flasche einen wichtigen Schritt: Sie wurde aus dem eigenen Rezyklat hergestellt – dem Material, das das Unternehmen aus Getränkekartons gewinnt.
Von Rasengittern zur Flasche
In der Anlage im Werksteil Hürth trennt Palurec die Kunststoff-, Aluminium- und Papieranteile der Getränkekartons und bereitet sie auf. Bisher kam das recycelte Kunststoffmaterial in robusten Produkten, wie Rasengittern, Transportboxen und Profilen zum Einsatz. Jetzt will das Unternehmen neue Märkte erschließen. „Aus der Verpackung zurück in die Verpackung – das ist, wo wir hinwollen“, sagt Henn. „Eine Flasche ist einfach wertiger als eine Palette.“ Dass der Schritt in den Verpackungsbereich jetzt möglich wird, ist einem neuen Kollegen zu verdanken: Thorsten Weber kommt vom Marktführer für Kunststoffextrusionstechnologie. Er weiß genau, was nötig ist, um die unterschiedlichsten Produkte mit Extrudern herzustellen. „Wir waren, ehrlich gesagt, anfangs skeptisch, mit unserem Material das Thema Flaschen anzugehen“, gibt Henn zu. „Denn sie werden im Blasformverfahren hergestellt. Doch dank der Hinweise von Herrn Weber sehen wir, dass es tatsächlich funktioniert.“ Für den ersten Versuch wählte das Team bewusst eine Henkelflasche mit Griff – eine verfahrenstechnisch anspruchsvolle Variante. „Wir wussten, wenn diese Form gelingt, können wir auch einfachere Flaschen herstellen“, erklärt Weber. Der Versuch war erfolgreich. Inzwischen wurde eine weitere, schlankere Flaschenvariante produziert. Der Weg in den Verpackungsbereich erfordert höhere Qualitäts-standards. „Wir haben uns daher nach vier ISO-Normen zertifizieren lassen: Qualität (9001), Umwelt (14001), Arbeitsschutz (45001) und Energie (50001)“, so Henn.
Hoher Rezyklatanteil
Der Körper der Flaschen besteht zu rund 80 Prozent aus Post-Consumer-Rezyklat (PCR), der Deckel in der Regel zu 100 Prozent. Insgesamt können die Flaschen dadurch einen Rezyklatanteil von etwa 85 bis 90 Prozent erreichen – ein so hoher Wert ist nach Einschätzung von Henn in dieser Form am Markt derzeit nicht verfügbar. Doch warum nicht 100 Prozent? Henn: „Etwa 15 bis 20 Prozent des Materials sollten weiterhin aus neuen Rohstoffen bestehen. Denn die feinen Aluminiumpartikel im recycelten Material sorgen dafür, dass das Material beim nächsten Recyclingvorgang im Wasser untergeht und dadurch im Recyclingprozess nicht erkannt würde.“ Ein kleiner Anteil Primärmaterial verhindert das.
Oberfläche mit Wiedererkennungswert
Die Aluminiumpartikel erzeugen optisch einen leichten Metallic-Effekt, die Haptik erinnert an Materialien natürlichen Ursprungs. „Es sieht nicht nur nachhaltig aus, sondern fühlt sich auch so an“, beschreibt Weber den Eindruck. „Dadurch können Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsbemühungen sehr gut verdeutlichen.“ Gleichzeitig ist der typische Geruch, den Rezyklate verströmen, bei den Palurec-Produkten geringer und verfliegt schneller. Auch farblich ist einiges möglich: Durch Zugabe von Farbmitteln lassen sich verschiedene Töne erzielen. Für besonders klare Farben, wie reines Weiß, oder besondere Produkteigenschaften kann sowohl außen als auch innen eine Schicht aus Primärmaterial aufgebracht werden. Preislich ist das Rezyklat ebenfalls attraktiv, denn es kostet deutlich weniger als Ware aus neuen Rohstoffen.
Eine Flasche aus sechs Getränkekartons
Geeignet sind die Flaschen vor allem für Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel. Für Lebensmittel ist das Material derzeit gesetzlich nicht zugelassen. In einer Flasche findet sich der Kunststoffanteil von etwa sechs Getränkekartons. Am Ende schließt sich so der Kreis: Von der Verpackung in die Verpackung.

