Verantwortung im Wandel: Rudolf Pölking als neuer BASF-Standortleiter im Chemiepark Knapsack

Im Interview mit Rudolf Pölking, Standortleiter BASF in Knapsack...

… geht es um Einblicke in die strategische Neuausrichtung und die damit verbundenen Schritte für den Standort Knapsack.

Rudolf Pölking war zunächst BASF Betriebsleiter in Knapsack. Jetzt ist er als neuer Standortleiter und Nachfolger von Dr. Jan Meiforth, der im Unternehmen neue Aufgaben übernommen hat, für den stufenweisen Rückbau der Pflanzen schutzmittel-Produktionen PSM-4 und PSM-5 und den anschließenden Abschied des Unternehmens aus dem CPK verantwortlich.



Herr Pölking, bei BASF in Knapsack ist gerade viel in Bewegung. Der bisherige Standortleiter Frankfurt und Knapsack Jan Meiforth hat zum 1. Januar 2026 eine neue Aufgabe am Hauptsitz des Unternehmensbereichs in Limburgerhof übernommen. Im Geschäftsbereich Agricultural Solutions ist er nun als Geschäftsführer der BASF Agricultural Solutions Deutschland GmbH tätig. Der Geschäftsbereich wird bei BASF gerade verselbständigt mit dem Ziel eines zukünftigen Börsengangs. Sie dagegen sind seit dem 1. Januar als neuer BASF Standortleiter im CPK dafür verantwortlich, hier in Knapsack den schon länger angekündigten schrittweisen Rückzug von BASF in die Wege zu leiten. Wie unterscheidet sich das neue Aufgabenfeld von Ihrer bisherigen Tätigkeit als Betriebsleiter?

Die beiden Tätigkeiten unterscheiden sich sehr und auch die Zielsetzung ist eine andere. Im Oktober 2024 haben wir das letzte Produkt hergestellt, Mitte des Monats die Anlage abgeschaltet. Inzwischen laufen die Dekontaminationsarbeiten. Das Projekt gliedert sich in verschiedene Phasen. In der ersten Phase erfolgt die Reinigung der Anlage, in der zweiten Phase die strukturierte Außerbetriebnahme aller Anlagenteile. Phase drei fokussiert sich auf den mechanischen Rückbau der verbliebenen Komponenten im Gebäude. Die vierte und letzte Phase umfasst schließlich den Rückbau des Gebäudes. Bis dahin ist es ein langer Weg. Während früher technische Stillstände in der Regel vier bis sechs Wochen dauerten, erstreckt sich eine ähnliche Phase hier über Monate beziehungsweise Jahre. Ich vergleiche dieses Projekt oft mit einem Marathon: Entscheidend ist eine durchdachte Strategie. Wenn wir die ersten Kilometer sprinten, sind wir zwar zunächst schnell unterwegs, doch unsere eigentliche Stärke liegt darin, das Tempo so zu wählen, dass wir am Ende konstant leistungsfähig bleiben. 

Worin besteht jetzt Ihre tägliche Arbeit? 

Gerade in der Anfangsphase ging es viel um Konzeptentwicklung, also um die Frage, wie wir vorgehen und wie die Außerbetriebnahme erfolgen soll. Inzwischen verändern sich die Anlagen sichtbar von Tag zu Tag. Eine der großen Herausforderungen ist es, ein System zu etablieren, das jeden Tag den aktuellen Stand zuverlässig abbildet. Dafür haben wir klare Routinen eingeführt. Parallel dazu laufen weiterhin operative Aufgaben, etwa der Betrieb der Abgasverbrennung oder der Abwasseranlage. Diese Tätigkeiten integrieren wir konsequent in das Rückbauprojekt.

Obwohl die Anlage eigentlich nicht mehr läuft. 

Genau. Ein Teil der Infrastruktur wird weiterhin benötigt und erfordert entsprechende Betreuung. Der Großteil unserer Arbeit ist jedoch inzwischen projektgetrieben. Mein Alltag besteht darin, zu prüfen, an welchen Stellen nach gesteuert werden muss. Zusätzlich beschäftige ich mich mit administrativen Themen im Zusammenhang mit dem Standortausstieg. Die Abwechslung zwischen Büro und operativer Arbeit schätze ich sehr. 

Sie sind noch rund drei Jahre vom Ziel entfernt. Welches Team steht Ihnen noch zur Verfügung? 

Viele Kolleginnen und Kollegen sind an Bord geblieben, um das Projekt gemeinsam mit uns umzusetzen. Aktuell arbeiten rund 140 Mitarbeitende am Standort, vor Verkündigung der Schließung waren es etwa 160. Die frühere Produktionsmannschaft hat sich inzwischen zu einer Projektorganisation entwickelt, die an einem großen und anspruchsvollen Vorhaben arbeitet. Entsprechend haben sich unsere Arbeitsweise, Tätigkeiten und Zielsetzung deutlich verändert. 

Wahrscheinlich ist das für viele eine Chance sich breiter aufzustellen? 

Wir wissen, dass diese Phase auch mit Unsicherheiten verbunden ist und die Kolleginnen und Kollegen persönlich fordert. Deshalb ist es für viele keine leichte Zeit. Dennoch arbeiten die Teams mit voller Kraft an diesem sehr um fangreichen und anspruchsvollen Rückbauprojekt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen können für den weiteren beruflichen Weg wertvoll sein, ohne die aktuelle Situation relativieren zu wollen. 

 


Was motiviert Sie persönlich zu dieser schwierigen Aufgabe? 

Die Situation und die Zielsetzung dieses Projekts sind zweifellos fordernd und für uns alle auch belastend. Für mich ist es vor allem das gute Miteinander in unserem Team, das motiviert – und dass ich gezielt weiter stärken möchte. Unser Fokus liegt darauf, die verbleibende Zeit gemeinsam so zu gestalten, dass wir weiterhin professionell und zu verlässig arbeiten. Gleichzeitig möchten wir Perspektiven schaffen und Mitarbeitenden, wo immer möglich, ihren weiteren Weg ebnen und sie unterstützen. Am Ende ist es eine individuelle Entscheidung, wir begleiten bestmöglich.

Also nicht nur unternehmensintern?

Sowohl unternehmensintern als auch – wo es sinnvoll und möglich ist – darüber hinaus. BASF hat in Deutschland mehrere Standorte, und wir prüfen, inwiefern sich für Kolleginnen und Kollegen dort Perspektiven ergeben. 

Das kann funktionieren, wenn man entsprechend flexibel ist. 

Ja, das ist ein wichtiger Faktor. Für diejenigen, die ihren Weg innerhalb von BASF fortsetzen möchten, prüfen wir, welche Möglichkeiten es gibt. Gleichzeitig gibt es auch für Mitarbeitende, die sich außerhalb des Unternehmens orientieren wollen, passende Regelungen und Unterstützung. Die ersten Kolleginnen und Kollegen haben bereits ihren zukünftigen Weg gefunden. Für mich persönlich bleibt es eine ambivalente Situation: Einerseits freue ich mich, wenn sich neue Perspektiven für die Kolleginnen und Kollegen ergeben, andererseits verlieren wir mit jedem Weggang auch geschätzte Teammitglieder und deren wertvolle Erfahrung. 

Wie sieht es denn mit Ihrer eigenen Zukunft aus? 

Mein Anspruch ist es, dieses Projekt so lange zu begleiten, wie ich sinnvoll dazu beitragen kann. Gleichzeitig ist ein solches Vorhaben über mehrere Jahre angelegt und wird sich in seinen Anforderungen weiterentwickeln. Insofern ist offen, ob die Rolle des Standortleiters auch die letzten Schritte des Rückbaus umfasst. 

Es ist vielleicht ein ganz spannender Ansatz zu einem späteren Zeitpunkt nochmal Bilanz zu ziehen: Wie haben sich inzwischen die Rahmenbedingungen verändert? Wie hat sich das Projekt entwickelt? Wie erfolgreich ist man gewesen, möglichst viele Kollegen anderweitig unterzubringen? Möglicherweise sprechen wir uns in zwei Jahren nochmal? 

Genau. Bis Ende dieses Jahres wollen wir die wesentlichen Reinigungsarbeiten abschließen. Daran anschließend wird sich die Phase der Außerbetriebnahme und Demontage deutlich intensivieren. Nach aktueller Planung ist diese Phase bis Mitte 2028 angesetzt, sodass sich das Projekt in den kommenden Jahren deutlich verändern wird. Gleich zeitig werden wir regelmäßig Zwischenstände bewerten und bewusst zurückblicken, um zu prüfen, wie sich Rahmenbedingungen und Projektverlauf entwickeln und wo Anpassungen erforderlich sind. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll, nach ein bis zwei Jahren noch einmal gezielt Bilanz zu ziehen.